Live8, Afrika, Gutmenschen und Zyniker

Am Samstag fanden weltweit 9 Konzerte im Rahmen der Aktion Live8 statt. Ziel der Aktion: Die G8-Staaten werden aufgefordet, auf ihrem Gipfel am 6. Juli umfangreichen Schuldenabbau, höhere Entwicklungshilfe und bessere Handelsbedingungen für Afrika zu beschließen.

In diesem Beitrag soll es vorrangig gar nicht um das Konzert selbst gehen, nicht um Geldof, nicht darum, dass es nur ein Konzert in Afrika selbst gab und keines in Südamerika. Es soll hier darum gehen, ob solche Aktionen was bringen für Afrika. Und wenn ja, was.

Hier und da gibt es zynische Kommentare zum Musikereignis. Der Tenor: wir sind zu keinem echten Verzicht bereit (da ist was dran, aber würde sicher auch kaum was bringen), das ist pure Selbstbeweihräucherung der Musiker, Afrika bringt das gar nichts. Der Spreeblick hält dagegen.

Gucken wir uns den letzten Punkt ein wenig genauer an, dass es für Afrika nicht bringt. Ist das wirklich so? Und was versteht man unter „was bringen“? Sicher, wenn man meint, dass mit _einem_ Konzert Afrika aus der Armut geschleudert wird, dann kann man behaupten, dass Live8 überflüssig ist.

Aber was hat Live8 denn nun wirklich gebracht? Zum ersten: wir reden wieder mal über Afrika. Das Thema war ja nur noch selten in der Presse zu finden. Nicht verwunderlich, ich selbst habe oft das Gefühl, dass auf diesem Kontinent Hopfen und Malz verloren ist. Während es sich in Südamerika oder Südostasien zu besser scheint, tut sich in Afrika irgendwie nichts.

Aber selbst umfangreicher Schuldenabbau, mehr Entwicklungshilfe und Handelserleichterungen können Afrika nicht aus der Patsche helfen. So meint heute Franklin Cudjoe in der Netzeitung. Ein lesenswerter Artikel, gerade weil er von „da unten“ kommt. Ins gleiche Horn stößt Shikwati, ein Ökonom aus Kenia.

Aber seine Argumente leuchten ein. Auch die vielen Hilfeleistungen haben die Situation in Afrika nicht deutlich verbessert. Die großen Hungersnöte scheinen besiegt zu sein, aber das wars dann auch. Immer noch sterben 30.000 Kinder am Tag, weil sie unter Armut leiden. Aber die Hilfe versickert in korrupten Staaten und kommt nicht dort an, wo sie hin muss. Afrika muss sich selbst reformieren. Es muss Demokratien schaffen, verbindliche Rechtsnormen, die eine Wirtschaft überhaupt erst möglich machen. Jedes Land muss dabei auch seinen eigenen Weg finden. Wir sehen Afrika immer als eine Einheit. Aber das dürfte in etwa so richtig sein, wie man Europa nicht als ein homogenes Gebilde bezeichnen kann. Aber diese Veränderungen müssen dort selbst passieren, da kann man von außen nur bedingt eingreifen.

Gutmenschentum hilft also nicht weiter. Zynismus aber noch viel weniger. Live8 konnte Afrika wieder ins Bewusstsein rücken. Und hat damit das erreicht, was kurzfristig zu erreichen möglich war. Das Bild vom hilfsbedürftigen Afrikaner zu verfestigen, das ist der größte Vorwurf, den man Live8 machen kann.

Update: Interview mit dem mit dem ugandischen Journalisten Andrew Mwenda: „Bitte helft uns nicht!“

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