Herr Schmidt gibt sich die Ehre…

… und der Weltwoche ein langes Interview.

Interessant dabei ist, dass Schmidt den Interviewer André Müller gerade am Anfang des Gesprächs auflaufen lässt und oft nur mit „Ja“, „Richtig“ oder „Stimmt“ antwortet. Leicht anmaßend wirkt es dann dann, wenn über den Fragesteller (unter dem Interview) geschrieben wird:

André Müller, geboren 1946, gilt als bedeutendster Interviewer deutscher Sprache. Schon in den achtziger Jahren wurde Die Zeit allein wegen seiner Gespräche gekauft. Ein «Kunstwerk von Fragen» nennt Peter Handke Müllers Arbeiten und fügt hinzu: «Die richtigen Fragen zu stellen, ist wahrscheinlich die höchste Intuition.» […]

Es ist ein in weiten Strecken eher langweiliges Gespräch, nach und nach wird er lockerer. Dann wird eine bisschen über Elend und Leid geredet und dass er, Schmidt, sich das nicht unbedingt freiwillig angucken würde.

Als man kürzlich dieses Video zeigte, in dem die Bosnier ihre eigenen Gräber ausheben mussten, bevor sie erschossen wurden, habe ich weggezappt. Denn was soll mir das bringen? Wir leben per Zufall auf einem Flecken, wo das gerade nicht stattfindet. Sollte es mich je selber treffen, dann ist die Frage: Wie verhalte ich mich? Man kann emigrieren. Aber ich bin ja absolut an die deutsche Sprache gebunden.

Was das bringen soll? Vielleicht einfach mal die _Erkenntnis_, dass wir hier sehr gut leben es aber nicht überall auf der Welt so ist und wir uns _bewusst_ sein sollten, dass es so ist. Das wäre schon ein Anfang. Ich mag diesen Zynismus nicht: Ich lebe hier, habe halt Glück gehabt, was interessiert es mich, wenn andere halt das Pech hatten, in Chaos und Armut hineingeboren zu werden.

An anderer Stelle ist er dann weniger zynisch als vielmehr nachdenklich, wenn er zum Thema 11. September und Medien sagt:

Ja, denn was ist Normalität? Wer definiert das für mich? Darf ich für mich eine andere Normalität beanspruchen, als der Herr Kommentator mir vorschreibt? Ich wusste, dass diese Sendung über meine Zukunft im Fernsehen entscheidet, weil ich Stellung beziehen musste. Die Medien hatten beschlossen, dass diese Katastrophe ein Ereignis zu sein hat, das uns trifft wie kein anderes je zuvor, und dass ich soundso viele Kriegstote, soundso viele Hungertote, soundso viele Aidstote aussen vor lassen soll und sage, nichts hat die Menschheit je so verändert wie dieser 11. September. Das wurde einem als allgemeiner Konsens verordnet. […]

Nach den Anschlägen von London und den europaweiten Schweigeminuten für die Opfer ist das Thema, wie man mit solchen Ereignissen umgeht, ohne die Relationen zu verlieren, wieder sehr aktuell.

[via: Spreeblick]

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