Sony ist unter die Hacker gegangen

Von der Musikindustrie ist man in Sachen Kopierschutz ja einiges gewöhnt. Beispielsweise Un-CDs, die Probleme beim Abspielen in bestimmten Playern haben, oder DRM-verdongelte Dateien in Musikdownloadportalen.

Das Label SonyBMG setzt nun noch einen drauf und installiert heimlich Software. Diese hängt sich tief ins System (als sog. Rootkit) und verändert IDE-Treiber, also den Zugang zu optischen Laufwerken. Damit möchte Sony offenbar Kontrolle über das Kopieren der gekauften CDs erlangen. Die Software installiert sich automatisch, derjenige, der seine Musik-CD auf dem PC hören möchte, merkt davon gar nichts. Auch nach der Installation ist nichts zu erkennen: die Software tarnt sich und lässt sich nur mit viel Fachwissen wieder entfernen.

Die Software soll auch ein bisschen Performance kosten und recht schlecht programmiert sein, wie der Entdecker in seinem Blog schreibt. Das interessiert mich herzlich wenig. Auch wenn es beispielhaft sauber programmierte Software wäre, bleibt es eine Frechheit, wenn sowas ungefragt auf meinem Rechner installiert wird. Das grenzt an Hacken, an feindlicher Übernahme meines Rechners, das ist ein aggressiver Akt. Die Heimlichtuerei ist dann nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

Nach wie vor stellt sich die Frage, was damit erreicht werden soll? Ehrliche Käufer werden nach dem Kauf verarscht, das Auftauchen von Alben in Tauschbörsen verhindert es jedoch nicht. Im Gegenteil: kopierschutztechnisch saubere Alben aus den Tauschbörsen haben dann eher noch eine höhere Attraktivität.

Nachtrag: Der Protest zeigt Wirkung und nun bietet SonyBMG einen Uninstaller für die Spyware an. Die Antiviren sollen auch informiert werden, um dieses Zeug erkennen und deaktivieren zu können. [via: heise online]

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