Macht, Verantwortung und Augenmaß

Darüber sollten wir noch mal reden. In Zukunft, in den nächsten Wochen, in den nächsten Monaten. Wir sollten über die Kontrollmöglichkeiten der Macht der Blogger reden. Blogger haben Macht, nämlich Linkmacht und damit können sie PR machen, können kritische Beiträge ganz nach oben bei Google oder anderen Suchmaschinen platzieren. (ein Gedanke am Rande: wann wird man eigentlich Druck auf Suchmaschinen ausüben, doch die doofen Blogs geringer zu gewichten?)

Macht, und wenn auch mit einem noch so guten Vorsatz daherkommt, muss kontrolliert werden. Früher oder später wird versucht, sie zu missbrauchen. Die jetzigen Beispiele Euroweb und Transparency Deutschland sind meines Erachtens noch nicht dazu geeignet, von Machtmissbrauch oder einem Lynchmob zu reden. Die Gründe für die Empörung waren beide Male die gleichen: Unternehmen/Organisation versucht, ungerechtfertigter Weise abzumahnen. Das Pendel kann aber auch in eine andere Richtung ausschlagen.

Qualität vor Schnelligkeit

Beide Seiten, Kritisierte und Blogger müssen ihr Verhalten wohl anpassen. Kritisierte Unternehmen, Verbände, Personen sollten vermeiden, gleich erstmal Keulen, auf denen Abmahung o.ä. steht, zu schwingen. Und Blogger müssen … tja, was müssen Blogger eigentlich? Vielleicht genauer hingucken, über was sie dort schreiben, nachdenken, sich Zeit zum Denken und Recherchieren nehmen – sowas in der Richtung. Die Dinge erst reflektieren, über die sie schreiben. Nicht für jeden Blogeintrag muss soviel Aufwand betrieben werden, aber Themen von Bedeutung (für andere) sollten so behandelt werden. Leider bekommen aber nicht die besonnensten sondern die schnellsten Blogger die meisten Links und damit Besucher. Das ist Anreiz genug, mal eben schnell was ins Blog zu hauen und als einer der ersten bei Technorati gefunden zu werden.

Blogger sollten sich ihrer Verantwortung bewusst werden, die sie mit ihren Publikationen (nichts anderes sind Blogs) haben. Vor dem eigenen Anspruch an gute Information sollten die eigenen Beiträge bestehen, dann ist schon ein guter Anfang gemacht. Denn niemand will sich manipulieren lassen, darum sollte man selbst auch versuchen, niemanden zu manipulieren. Hier passt der Begriff Augenmaß recht gut.

Keine schnellen Antworten

Einen Bloggercodex kann ich mir noch vorstellen, A-Blogger als Gatekeeper schon nicht mehr. Gatekeeper aka Meinungsfilter gibt es in schon genug, nennen sich Zeitung und haben ihre Berechtigung. Ich lese gerne Zeitung. Aber Blogs lese ich wegen ihrer Vielfalt und die würde leiden, wenn A-Blogger eine starke Filterfunktion ausüben würden.

Ich habe keine Antwort, wie man die Macht der Blogger in produktive statt destruktive Bahnen lenken kann. Werd‘ ich sobald auch nicht haben. Ich habe mich in Kommentaren zum Thema „Machtmissbrauch von Bloggern“ eher gegen diesen Gedanken gewehrt. Irgendwie aus einem Gefühl heraus, dass Blogger „anders“ sind, ruhiger, differenzierend, überlegter handelnd. Ist aber wohl zu blauäugig. Blogger sind Menschen und die neigen dazu, einer rennenden Masse hinterherzurennen. Erst hinterher wird gefragt, warum denn alle gerannt sind.

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