Post vom Pascha

Geht es um Familienpolitik, dann zeigt sich das konservative Gesicht. Unter dem euphemistischen Namen „Bündnis für Erziehung“ forciert die Supermama und Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen die Rechristianisierung der Gesellschaft. Statt ein Bündnis gesellschaftlicher Gruppen anzuleiern, werden – aller Säkularisierung und Neutralitätsverpflichtung des Staates in Religionsfragen zum Trotz – nur die Kirchen eingeladen. In der Presseerklärung wird dann die Zahl von 72% kirchlicher Kindergärten quasi als Erklärung („Breitenwirkung“) für den Ausschluss nichtchristlicher Gruppen angeboten. Diese Zahl ist aber irreführend, denn an der Gesamtzahl der Kindergärten sind 56% nichtkirchlich, kirchliche Kitas stellen glatt die Minderheit dar. Ganz so breit ist die Wirkung dann schon nicht mehr.

Bei ihrem Vorschlag von sog. „Vätermonaten“, also einem Bonus von zwei zusätzlich bezahlten Monaten beim geplanten Elterngeld, dann kommt Kritik aus der konservativen Ecke der CDU/CSU. Ein Anreiz dafür, dass Väter sich an der Erziehung der oftmals gar nicht so lieben Kleinen beteiligen – uuhhhh, ganz furchtbar. Entspricht offenbar so gar nicht dem Weltbild von CDU-Männern.

Den Vogel zum Thema Familie und Frauenbild schießen allerdings die Blöd-Zeitung und die Kolumne des Gossen-Goethe Franz Josef Wagners ab, als sie sich über den Familienbericht der Bundesregierung auslassen.

Wagners Einlassungen sind so dermaßen an Realität und gesundem Menschenverstand vorbei, dass man es einfach mal lesen und auf sich wirken lassen sollte:

Liebe deutsche Mütter,

laut neuem Familienbericht der Bundesregierung seid Ihr faul. 2 Stunden und 18 Minuten investiert Ihr in Hausarbeit – danach Café latte trinken, Schuhe kaufen, Unterhautfettgewebe wegtrainieren, in einem Body-Piercing-Katalog blättern, die Beine übereinanderschlagen, auf Single-Frau tun, einen 20jährigen verführen. Eine Freundin, die Häkelgarn in einer Boutique verkauft, bitten, daß sie Ihren Mann anruft, daß Sie später kommen.

Ich bin glücklich, daß meine Mutter eine Trümmerfrau war. Wir schreiben das Jahr 1945. Sie war 24 Stunden um mich, ich war unterernährt, sie hatte keine Freizeit. Wenn sie Freizeit für sich gefordert hätte, dann würde ich heute nicht leben. Meine Mutter hatte keine rotlackierten Fingernägel. Meine Mutter hatte keinen Sex. Meine Mutter war eine Löwin.

Herzlichst

Ihr F. J. Wagner

Aha, mit mehr als zwei Stunden Hausarbeit pro Tag ist man also faul. Und Männer, die knapp die Hälfte mit Hausarbeit verbringen, sind dann was? Und wenn sie mit dem Abwasch, der Kindererziehung und dem Job fertig sind, dann maßen sich diese Emanzen auch noch an, Spaß zu haben. Auweia, sowas geht ja nun gar nicht. Auch hierbei erfüllen sie natürlich die Klischees bis hin zur Verführung 20jähriger Männer. Wobei man sich die Frage stellen sollte, wie hoch die Attraktivität von Müttern und ihres schreienden oder nervenden oder quengelnden Nachwuchses auf junge Kerle ist.

Frauen von heute sollen gefälligst keinen Spaß haben. Wagners Mama, der Archetyp einer deutschen Mutter, hatte schließlich auch keinen. Sie hatte nicht mal Sex. Obwohl – mindestens einmal musste sie welchen haben. Denn sonst könnte Wagner heute keine schwachsinnigen Kolumnen schreiben. Und überhaupt: Woher will Wagner überhaupt wissen, ob seine Mama Sex hatte? Glücklich war sie damit sicher nicht. Ich meine mit allem, nicht nur der möglicherweisen Enthaltsamkeit.

Was lernen wir daraus: Wagner will nicht, dass Frauen glücklich sind. Sie sollen geknechtet dem Manne dienen. Heureka, was sind wir doch für eine aufgeklärte, liberale Gesellschaft. Ehrenmord, ick hör‘ trapsen.

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