Privatfernsehen lernt von der Musikindustrie und sägt am eigenen Ast

Hat die Musikindustrie ein Schulungsprogramm, wie man am besten Kunden vergrault und hat das Privatfernsehen daran teilgenommen? Auf die Idee kann man jedenfalls kommen, wenn man sich die Pläne zur Verschlüsselung der digitalen Fernsehsignale anguckt.

Den Anfang machen Pläne, das Fernsehsignal vom Astra-Satelliten (DVB-S) zu verschlüsseln. Zwar kommen die Pläne von Astra, aber die Privatsender erscheinen nicht, als müsse man sie zum Jagen tragen. Ganz viele tolle neue Spartenkanäle wolle man dem Kunden dann bieten. Das Programm wird nicht dadurch besser, dass man es neu mischt.

Jetzt will der Sender RTL zudem auch DVB-T verschlüsseln. Dazu gibt’s drei Spartenkanäle und „Video on Demand“. Um „neue Umsatzquellen zu erschließen“, wie die RTL-Senderchefin Schäfercordt wissen lässt. Weil der Werbemarkt nicht mehr so dolle ist.

Kommt einem irgendwie bekannt vor, nicht? Die Musikindustrie leidet auch unter Umsatzverlust und versucht mit Gängelei wie Kopierschutzklimbim und DRM die Kunden zu ihrem Glück und zurück in die Arme der Musikindustrie zu zwingen. Jetzt kommen die Privatsender, verschlüsseln ihre Programme, zwingen die Kunden zur Anschaffung neuer Geräte, die auch mit Smartcards zum Entschlüsseln funktionieren und verkomplizieren das so einfache Medium Fernsehen. Und das in Zeiten, in denen die Mediennutzung weg vom Fernsehen und hin zum Internet geht.

Was werden also diejenigen machen, denen das Vollprogramm der Privatsender wurscht ist und sie es nur gucken, weil da ein paar gute Ami-Serien laufen? Genau, sie werden sicher keine Gebühr für das Programm von RTL, Sat.1 oder Pro7 zahlen, sondern werden auf Alternativen ausweichen, legale und illegale. Fernsehserien bekommt man in guter Qualität in der Tauschbörse des Vertrauens, wahlweise auf Englisch oder auf Deutsch. Die US-Networks planen außerdem Downloadportale für TV-Serien, wie es bei iTunes u.a. schon jetzt möglich ist.

Oder man nimmt dann richtiges Pay-TV wie Premiere. Da kriegt man Filme und Serien früher und dann werbefrei. Zahlen werden dann diejenigen, die sich nicht nach Alternativen umschauen und ihre Sehgewohnheiten nicht ändern wollen und sich das auch was kosten lassen. Die „junge Generation“ wird man so sicher nicht „ans Fernsehen heranführen“, wie sich das die Frau Schäfercordt zusammenphantasiert.

Nachtrag: Mir geht grad noch so ein Gedanke durch den Kopf: Für Premiere könnten goldene Zeiten anbrechen.
Ich hab immer gesagt, dass Pay-TV in Deutschland so lange kein Massengeschäft wird, wie wir ein so vielfältiges Free-TV haben. Damit ist es nun bald vorbei. Mit den Gebühren für digitales Privatfernsehen werden die Leute an den Gedanken von Pay-TV gewöhnt. Wenn man nun die Wahl hat zwischen dem Bezahlen fürs Werbefernsehen und dem Bezahlen für Premiere, die Serien und Filme vor den Privaten bringen, dann fällt die Entscheidung nicht allzu schwer, denke ich.

Ein Gedanke zu “Privatfernsehen lernt von der Musikindustrie und sägt am eigenen Ast

  1. Deine Meinung ist vollkommen richtig. Ich ärgere mich darüber, dass ich über meinen Kabelreceiver nur das öffentlich rechtliche Programm kriege. Eine smartcard die das ermöglicht, soll hier 3,50€ im Monat kosten, obwohl ich gelesen habe, dass diese gegen eine einmalige Gebühr von 14,50€ angeschafft werden kann.
    Also werde ich den Kabelreceiver verschenken, da merkwürdiger Weise analog beim durchschleifen so schlecht wird (besonders der Ton), dass beides nicht mehr möglich ist.
    Also ist es eher wahrscheilich, dass ich mich für Premiere entscheide und die nervige Werbung nicht mehr sehen muss.

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