satt und depressiv?

Gestern in der taz beim obligatorischen Wochenvorausblick mit Friedrich Küppersbusch:

taz: Klar ist: Die Hartz-Reformen schaffen keine Jobs. Die Gewerkschaften glauben, ordentliche Lohnerhöhungen täten dies wegen mehr Kaufkraft, besserer Stimmung etc. Was denken Sie?

Küppersbusch: Ich weiß nicht. Wir diskutieren hier seit 15 Jahren über die Beschaffenheit des Rasens, auf den die Äpfel plumpsen sollen. Ich dachte: Zukunftsfähige, wertbeständige Produkte verkaufen sich am besten, erzielen auch bessere Preise und müssten also die Debatte auf die Unternehmen lenken, die das offenbar nicht ausreichend auf die Reihe bekommen. Ein seriöser Gärtner würde sich das kurz angucken und den einen oder anderen Baum fällen.

Recht hat er. Denn nur wenn Unternehmen Produkte entwickeln und verkaufen, dann brauchen sie auch Leute, die diese Produkte herstellen. Tun sie aber wohl offenbar nicht.

Ähnliches steht heute auch in der Telepolis unter dem Titel „Satt und depressiv“. Tenor dabei: westliche Gesellschaften sind mittlerweile so reich, dass es kaum noch Produkte gibt, die die Menschen brauchen und damit kaufen würden. Als Folge davon kommt es zu Überkapazitäten und Arbeitslosigkeit, allen Anstrengungen der Politik zum Trotz:

Alle diese Rezepte leben von dem Glauben an eine intakte Nachfragekurve, jedoch stellt kein Konzern Leute ein, nur weil die Lohnkosten gesunken sind, wenn gleichzeitig 20 bis 25% der Kapazitäten nicht ausgelastet sind.

Ich glaube zwar nicht so recht daran, dass es keine neuen Produkte für westliche Gesellschaften gibt. MP3-Player, DVD-Player, HDTV-Fernsehgeräte etc. gehen ja weg wie warme Semmeln. An anderer Stelle schafft es die Industrie aber offenbar wirklich nicht, sich neue Produkte zu entwickeln, für die sich Kunden erwärmen könnten. Was ist z.B. aus den sündteuren UMTS-Lizenzen geworden? Keine Killeraplikation dafür in Sicht.

Statt also neue Produkte zu entwickeln sparen die Unternehmen lieber, schrumpfen und konzentrieren sich auf sog. Kerngeschäfte. Und der Staat spart an der (Aus-)Bildung, die die Grundlage für Innovationen sind. Die Debatte um Arbeitsplätze sollte also weg vom Staat hin zu den Unternehmen und Hochschulen gehen.

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