Weniger Fußballlyrik bitte

Eigentlich sollte ja dieses Blog während der WM fußballfrei bleiben. Andere können sich zu diesem Thema besser und kompetenter äußern, ich guck mir Spiele an, mache mir aber keine großen Gedanken darüber.

Nun aber doch Fußball: Die Berichterstattung ist eh voll mit mehr oder weniger hohlen Phrasen. Wenn es dann sogar über Brasilien zu berichten gilt, dann setzt der letzte bisschen Verstand aus. Werde ich je etwas über Brasilien lesen können, ohne dass von „Samba auf dem Spielfeld“ oder „Karneval der Fans“ die Rede ist?

Nicht jede Aktion der brasilianischen Fußballspieler, dieser Mannschaft aus sündteuren Künstlernamen, ist „genial“ oder „brillant“ oder sonstwie herausragend, nicht von jeder Ballberührung fühlt sich der Ball „gestreichelt“. Entsprechend sollte man die Kommentierung eines Fußballspiels der Brasilianer der Realität anpassen. Und nicht wie gestern Reinhold Beckmann als Reporter des Spiels Brasilien – Kroatien, in dem Beckmann sich der Ehrfurcht vor den vielen klangvollen Namen der Brasilianer ganz hingab und ein schönes Spiel herbeikommentieren wollte. Allein, die Brasilianer spielten schlecht. Das Tor von Kaka war ein schönes, aber auch normales Tor, seine Schusstechnik nur die eines Profifußballers, mehr nicht.
Den Vogel schoss Beckmann allerdings ab, als er Ronaldo, der gestern lustlos wirkte und über dessen Übergewicht vor der WM spekuliert wurde, mit „Pummelinho“ titulierte. Mann, wir doch nicht im Kindergarten. Ich kann doch wohl im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen noch ein gewisses Niveau auch bei Fußballreportagen erwarten.

Wie wäre es denn mal mit weniger Fußballlyrik und mehr Analyse. Oder zur Abwechslung mal gar nichts sagen, wenn einem nichts gescheites einfällt? Man kann ja das Spiel mit den Augen gut selbst verfolgen. Steffen Simon und Marcel Reif (leider nur bei Premiere zu sehen) machen es doch besser.

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