Blitzsauber

Gerade eine unfreiwillige Mutprobe gemacht: Bei Gewitter auf dem Wäscheboden Wäsche aufhängen.

Als ich losging, regnete es nur ein bisschen. Bei den ersten Socken fing dann das Gewitter an, das ziemlich genau überm Dach hinwegzog. Die Haare standen mir wegen der elektrischen Ladung noch nicht zu Berge, der Abstand zwischen Blitz und Donner war aber nicht mehr zählbar.

Schlägt eigentlich so ein Blitz, wenn er ins Dach einschlägt, ein Loch in die Ziegel samt Dachstuhl? Oder schlägt er zielsicher in den Blitzableiter ein, so dass einem mutigen unvorsichtigen Wäscheaufhänger nicht passieren dürfte?

Fragmente. Oder: Was am Ende übrig bleibt

So ein Blog ist ja eine feine Sache. Aber ein Eintrag allein ist oft nur ein Teil des Ganzen: im Zusammenspiel mit Links ergibt sich ein rundes Bild. Hier ein weiterführender Link gesetzt, dort einen anderen Aspekt einer Diskussion verlinkt und wieder woanders steht eine Zusammenfassung, die verlinkenswert ist.

Soweit die Theorie. In der Praxis wird dieses Zusammenspiel gestört, weil nach einiger Zeit die gesetzten Links ins Leere führen. Bei Nachrichtenseiten verschwindet eine Meldung im Archiv oder wird nach einigen Wochen standardmäßig gelöscht (wie z.B. bei den Yahoo-News) oder verschwindet anderweitig. Wenn ich mal in meinen älteren Beiträgen stöbere, finde ich immer wieder Links, die ins Leere gehen.

Oder nehmen wir Flickr. Nach der Aufregung um Zensur löschen dortanscheinend nicht wenige ihre Fotos. Jeder Link zu einen Bild oder jedes direkt eingebundene Bild in Blogs oder sonstwo ist dann futsch, der damit aufgehübschte Blogeintrag ist gleich weniger hübsch.

Oder die verlinkten Blogs werden aufgegeben, abgeschaltet und gelöscht. So wie beispielsweise das Blog YAMB von Jörg-Olaf Schäfers. Natürlich kann jeder mit seiner Webseite/seinem Blog machen was er will. Aber viele haben zu YAMB verlinkt (besonders in der StudiVZ-Zeit) und diese Linkungen verlieren nun ihren Bezug (Technorati zählt an die 2000 Links). Übrig bleiben Fragmente. Wird man bestimmte Debatten in zehn oder fünfzehn Jahren überhaupt noch mal nachvollziehen können, wenn dann nur noch ein Bruchteil der Blogs mit ihren Einträgen online ist?

Ich hab auch gerne mal zu Jörg-Olaf verlinkt und dann einen kleinen Kommentar dazu abgegeben. Ohne den Link steht der Blogeintrag nun ein bisschen doof da. (Abgesehen davon finde ich gerade die Schließung seines Blogs schade. Es war eines meiner ersten regelmäßig gelesenen Blogs, ich mochte sein Art des Schreibens und seine unaufgeregte Art.)

Was lerne ich daraus? Wieder alles selbst machen, mich auf mich selbst verlassen und Blogeinträge so schreiben und mit Zitaten von verlinkten Blogs füllen, dass man sie hinterher auch ohne Links kapiert. Redundanzen sind gut.
Woanders hinlinken, wo das Ganze viel besser und ausführlicher steht ist zwar schön und gut, nutzt aber wenig, wenn in ein paar Monaten diese Informationen nicht mehr zugänglich sind. (Gefällt mir aber auch nicht, alles noch einmal wiederkäuen, das schon woanders viel besser steht. Macht meinen Eintrag länger und schlechter lesbar.)

Ein schöner Satz zum Merken

Zwar nicht an die Wand, aber immerhin hier ins Blog schreibe ich ihn:

Der hoheitliche Eingriff in ein Grundrecht bedarf der Rechtfertigung, nicht aber benötigt die Ausübung des Grundrechts eine Rechtfertigung.

Ist ein schöner Satz, so wie er da im Urteil des Bundesverfassungsgerichts über eine Verfassungsbeschwerde zum Demoverbot zum G8-Gipfel steht. Könnte noch mal wichtig werden.

Für ein T-Shirt ist die Formulierung des Gerichts fast zu sperrig, oder?

Ein Witz namens Klimaschutz

Donnerwetter, das ist wirklich ein „Riesenerfolg“:

Bis 2050 wollen die sieben führenden Industrienationen und Russland eine Halbierung der Emission von Treibhausgasen in Betracht ziehen.

(In Punkt 49 der Abschlusserklärung liest sich das so: „… we will consider seriously the decisions made by the European
Union, Canada and Japan which include at least a halving of global emissions by 2050.“)

Das sind wahrlich ehrgeizige Ziele: 50% weniger CO2 in 43 Jahren. Das erreicht man wohl locker ohne Zielvereinbarung. Bis 2050 ist das Öl entweder alle oder so teuer, dass sich (regenerative) Alternativen geradezu aufdrängen.
Ohne Zwischenziele ist diese Agenda Zwanzigzfünfzig eh für die Tonne. Bis 2050 ist ja noch lange hin. Wer will, kann weitermachen wie bisher, ohne dass sich jemand vorhalten lassen müsste, es würde zu wenig für den Klimaschutz getan.

Die Fantasie des Journalisten im Angesicht einer Demo

Ein Redner bei der Demo in Rostock gegen den G8-Gipfel redet was von „Krieg“, die Nachrichtenagentur dpa kriegt das in den falschen Hals und verbreitet eine Falschmeldung, reichlich Zeitungen drucken den Mist (kennt man ja) und dpa korrigiert ihren Fehler erst 3 Tage später. Soweit das Geschehene.

Das für mich Erstaunlichste daran: Manche Journalisten schmücken die dpa-Meldungen dann noch einmal richtig aus. Wohl deshalb, damit für den Leser der Eindruck entsteht, der Redakteur berichte direkt von der Front:

In anderen Schweizer Zeitungen fantasiert Berlin-Korrespondent Helmut Uwer:

Einer der laut Polizeiangaben 3000 Militanten kletterte auf eine Bühne und gab die Parole aus: “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.?

In den Stuttgarter Nachrichten reichern Peter Gärtner und Axel Büssem die falsche Meldung mit neuen Details an:

Während ein Attac-Vertreter aufrief, Ruhe zu bewahren, heizte ein Redner der Autonomen die Stimmung noch an: “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.? Viele pfiffen und buhten daraufhin.

Auch Annika Fischer, die Autorin der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung?, hat die dpa-Ente ausgeschmückt:

“Wir müssen den Krieg in diese Demo tragen!?, ruft ein junger Mann ins Megafon, aber vorn an der Bühne stehen immer noch die (farben-) frohen Linken, beschwören eine “andere Welt? und reden von einer “schönen Veranstaltung?.

(Die Zitate hat Stefan Niggemeier zusammengetragen, Hervorhebungen von mir)

Zur Klarstellung: Es kletterte keiner der Demonstranten auf die Bühne, um die vermeintliche Kriegsparole auszugeben, er war auch kein Redner der Autonomen sondern Walden Bello, philipinischer Soziologieprofessor und Träger des Alternativen Nobelpreises. Er ist einer der Redner auf einer Kundgebung. Wie unschwer zu erkennen ist, ist er kein junger Mann mit einem Megafon. Wozu das Umherfantasieren?

Wohl kaum eine Zeitung wird eine Korrektur der Falschmeldung bringen. Wenn doch, dann vermutlich in einem Fünfzeiler im hinteren Teil des Blattes. Kann ja jeder selbst in seiner Zeitung nachgucken.

Wenn man sich Regional- und Lokalzeitungen anguckt, dann besteht der überregionale Teil fast nur aus Agenturmaterial. Und daraus, aus dem Fernsehen und aus der Blöd-Zeitung informiert sich der wohl größte Teil der Bevölkerung. Da bekommt dann solch eine (und jede andere) Falschmeldung einen großen Impact. Ich lese selbst sehr wenig Lokalzeitung. Wenn ich es dann aber doch einmal tue, bin ich immer wieder überrascht, von welch teilweise schlechter Qualität einerseits die Artikel und andererseits die Kommentare sind. Wer allein das liest und vielleicht noch ein bisschen Fernsehen schaut, der ist schlecht informiert.