Eva Herman hat ein neues Buch geschrieben

Eva Herman hat es wieder getan. Sie hat ein neues Buch geschrieben auf ihrem Kreuzzug für klassische Rollenmuster. Vor einem Jahr schrieb sie mit dem „Eva-Prinzip“ die Frauen zurück ins Heim und an den Herd. Das Buch machte viel Wind und verkaufte sich sehr gut (über 100.000 Exemplare). Jetzt erscheint – wieder biblisch angehaucht – das „Arche-Noah-Prinzip“ und schlägt in die gleiche Kerbe. Diesmal geht es um den Mann, das arme Wesen und erneut die Familie.
Frau Herman scheint ihre Aufgabe gefunden zu haben: Zitate anderer, meist berühmter Menschen verschwurbeltet, verallgemeinert und vereinfacht sie zu einer Küchenphilosophie und streut sie dann als vermeintlich einzig richtige Medizin für gesellschaftliche (Fehl-)Entwicklungen unters Volk.

Apropos Volk: Frau Herman entblödete sich auch nicht, bei ihrer Buchvorstellung am 6. September die Nazis für ihre „Wertschätzung der Mutter“ zu loben. Felix Schwenzel bezweifelt allerdings, ob Frau Herman die damals sehr selektive Wertschätzung und überhaupt die Sache mit dem Dritten Reich richtig verstanden hat:

die wertschätzung der nazis für mütter war ja relativ eingeschränkt. mütter die nicht der richtigen „rasse“ angehörten oder „erbkrank“ waren wurden nicht so doll wertgeschätzt, sondern vergast, zwangssterilisiert oder für medizinische experimente misbraucht und gequält.

[…]

meint eva herman wirklich, ohne „schlechtes“ wie adolf hitler wäre das dritte reich ganz kuschelig gewesen? ist eva herman wirklich so ahnungslos und verblendet wie das zitat aus dem abendblatt nahelegt? oder ist sie einfach nur sausackblöd?

Liest man sich die Nazi-Ideologie von der Familie als Keimzelle der (gesunden arischen) Gesellschaft und der Rolle der Frau durch, dann ist das sowohl von der Wortwahl als auch von der Aussage her nahe an den Grundthesen von Frau Herman zu Familie und Frau. Einerseits überrascht mich das, andererseits auch wieder nicht. Diese Ähnlichkeit in den Grundthesen wird man in anderen Büchern von konservativen Eiferern auch finden können, ohne dass sie gleich Nazis sind. Herman möchte zurück in die Zeit des Rollenmodells der 50er Jahre, das sich ideologisch aus dem des Dritten Reichs speist.

In der bisherigen Diskussion um ihre seltsamen Thesen hat ihr noch keiner den Nazivorwurf an die Backe geklebt. Man konnte ihr bisher nur einen gewissen religiösen Eifer nicht absprechen. Dass sie sich nun selbst dem Nazivorwurf aussetzt, ist wirklich blöd. Vielleicht ist aber angebracht, mal über die Herkunft von Hermans Rollenvorstellungen zu sprechen.

Nachtrag (09.09.07): Der NDR, bei dem Eva Herman als Moderatorin tätig ist (Herman & Tietjen, Wer hat’s gesehen), hat sie aufgrund der „Wertschätzungs“-Äußerungen entlassen.

Nachtrag (28.09.07) : Es gibt das Originalzitat, anhand dessen sich jeder ein eigenes Bild ihrer Aussage machen kann.

2 Gedanken zu “Eva Herman hat ein neues Buch geschrieben

  1. Der NDR hat mit der Entlassung von Eva Herrmann die einzige richtige Konsequenz gezogen. Ihre Veröffentlichungen und dubiosen Ansichten sind ja nicht nur für den gesunden Menschenverstand schwer erträglich, sondern erschweren es auch dem Sender sie als Moderatorin noch unbekümmert im Programm des NDR einzusetzen.

  2. Pingback: Reflexionsschicht

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