Bitte beim Rausgehen die Tür leise schließen

Warum müssen manche so einen Krawall machen, wenn sie etwas nicht mehr machen wollen? Große Enttäuschungen erwachsen aus hohen Erwartungen. Welche Erwartungen wurden denn von Maingold ans Bloggen gestellt?

Ich sehe im Internet und in Blogs ein Durchbrechen von Informations-, Publikations- und Meinungsmonopolen – nicht mehr und nicht weniger. Was jeder daraus macht, ist seine Sache.

Man muss doch nicht immer gleich alles über einen Kamm scheren. Nur weil es auch Spinner und Idioten gibt, kommt doch kaum einer auf die Idee, nun kein Buch mehr zu schreiben oder zu lesen. Das Medium Blog ist doch nicht doof, nur weil es ein paar Doofe auch nutzen.

Natürlich sind Blogs nicht mehr Avantgarde und wer gerne das macht, was avantgardistisch ist und es eben nur deshalb macht, weil es so ist, der ist natürlich enttäuscht von Blogs. Sie sind mittlerweile ein Massenphänomen, jeder kann eins aufsetzen oder eröffnen. Das ist ja das Gute daran.

Die Bezeichnung „Blogger“ ist im Laufe der Zeit zu einem regelrechten Schimpfwort verkommen […]

Seit wann das denn? Ich kann auch die weitere Kritik nicht nachvollziehen, nach der „‚extrem wichtige‘ Personen tagtäglich virtuelle Kämpfe um Positionen und Links mit bescheidenem Inhalt ausfechten“. Wo denn? Mir scheint, der Herr liest die falschen Blogs.

Manche nutzen Blogs, sich selbst dazustellen, öffentlich Meinungsbildung zu betreiben, um was zu verkaufen, um Geld zu verdienen, um Geschichten zu erzählen, um einfach nur zu schreiben. Das Schöne daran ist: jeder kann sich aussuchen, was er mag. Und er kann das andere links liegen lassen und bekommt im Normalfall gar nichts davon mit. Keine „Linkhuren, Speichellecker, SEOs“ oder sonstige echte oder vermeintliche Deppen.
Wer nicht in der Lage ist, seinen Feedreader mit guten Blogs zu bestücken, soll nicht rumheulen. Ich kann die Kritik sowohl von der Tonart als inhaltlich nicht teilen. Es gibt sehr gute Blogs mit für mich guten Inhalten und ich entdecke ständig neue. Auch vom Blogblues, von einer Art Herbststimmung kann ich nichts spüren. Von meinen regelmäßig besuchten Blogs (<50) ist bisher nur Jörg-Olaf Schäfers ausgestiegen .

Ich kanns auch nicht mehr hören, dass sich die Blogosphäre verändert hat. Ja, das hat sie. Vom ersten Tag an. Mit jedem neuen und jedem abtretenden Blogger geht das weiter. So ist der Lauf der Welt. Es bleibt alles anders.
„Nicht zu ihrem besten“ hat sich die Blogosphäre verändert. Sie ist zu einem Massenphänomen (einer trotzallem immer noch einer kleinen Minderheit) geworden. Und weil es glücklicherweise keinen Qualitätscheck gibt, kann jeder mitmachen. Unangenehme Typen eingeschlossen.

Für mich jedenfalls klingt das in etwa so, als wenn jemand nur schlechte Bücher gelesen hat und nun alles zwischen zwei Buchdeckel gedrucktes scheiße findet. Kann man machen. Man könnte aber auch zum guten Buch greifen.

6 Gedanken zu “Bitte beim Rausgehen die Tür leise schließen

  1. Solche Albernheiten wie die von Maingold gab es schon immer und wird es immer wieder geben. Nur das sie z.B. im Chat nicht weiter aufgefallen sind da sie nach spätestens 3 Minuten aus dem Fenster gescrollt sind. In Foren löscht man i.d.R. solche „Meinungsäußerungen“ da sie eh kaum jemanden interessieren. In anderen Bereichen, z.B. Usenet, ignoriert man so etwas um sich nicht den tag zu versauen.

    Bei den Blogs ist es wohl so, dass nur ein Don Alphonso das Thema ernsthaft aufgreift und sich darüber so „freuen“ kann. Ignorieren und darüber hinwegsehen ist anscheinend eine Sache die Blogger noch lernen müssen. Denn im Grunde genommen interessiert es doch keinen ernsthaft ob Maingold aufgehört hat oder nicht. Ich meine jetzt so die Allgemeinheit. Denn die Blogsphäre wird sich aufgrund seines Aufhörens und erst recht nicht aufgrund seines Gejammers auflösen. Oder?

  2. Nein, natürlich löst sich die Blogosphäre nicht auf, weil Maingold aufhört. Nur mit seinem Gejammer ist er ja anscheinend nicht allein, das Thema Blogblues/Blogherbst tauchte ja in letzter Zeit hier und da auf. Maingolds „Argumente“ sind ja auch nicht neu.

    Und manchmal hab ichs nicht so mit dem Ignorieren. Dann muss ich was zu schreiben. Ich schreib ja nun nicht jedesmal, wenn ein Blog aufhört einen Kommentar dazu. Und auch sonst versuche ich, nicht allzu selbstreferentiell zu sein. Aber ab und an muss ein bisschen Selbstreflexion auch sein. :)

  3. das ist wie bei der Musik, wenn der Geheimtipp, den zu kennen und zu hören mich vom „schnöden Mainstream“ abhebt, plötzlich Erfolg hat – und damit ich das Gefühl verliere, was „besonderes“ zu sein, weil ich da was kenne, was nicht jeder kennt. Dann wird das vorherige Objekt, das mir zur Identifikation, was Besonderes zu sein, gereichte plötzlich mit Verachtung gestraft – „kommerziell“ sind sie dann, und „haben sich kaufen lassen“, weil sie plötzlich nicht mehr in billigen Spelunken rumkrebsen müssen.

    So stell‘ ich mir das bei so manchem mit dem Bloggen vor: „Das macht keinen Spaß mehr, weil das ja jetzt jeder kann und tut“. So sindse, die Möchtegerneliten. Die vorgetragene „Kritik“ zeigt mir da mehr über des Betreibers eigene Erwartungshaltung sich und dem Bild, das er von sich in seiner Umwelt hat, gegenüber als tatsächliche Beschreibung des – vorgeblichen – Objekts dieser Kritik.

    Achso, und wer ist eigentlich „Maingold“?

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