Archiv der Kategorie ‘mediales‘

Atomgetriebene Brisanz

Donnerstag, den 17. September 2009

Ich bin nun sicherlich kein Freund der Atomenergie, aber man muss auch nicht gleich aus dem Häuschen geraten, wenn irgendwo das Stichwort Atomkraft fällt. Und erst recht muss man keinen Skandal aus etwas machen, das kein Skandal ist. So wie die Financial Times Deutschland (FTD) am gestrigen Mittwoch.

Angeblich hält Frau Schavan vom Bundesbildungsministerium eine “Atomstudie” bis nach der Bundestagswahl zurück, weil ihr die Ergebnisse dieses “brisanten Gutachtens” (mehr AKWs, Endlager in BaWü) nicht passen. Daran ist so ziemlich alles falsch.

- Die Studie ist keine Atomstudie sondern ein “Konzept für ein integriertes Energieforschungsprogramm für Deutschland”. Darin kommt naturgemäß die Atomenergie als Möglichkeit der Energieversorgung vor. Die Autoren der Studie beschreiben auch, dass die neuen AKWs der 4. Generation sicherer und effizienter sind, sodass weniger Uran verbraucht wird und am Ende weniger Atommüll anfällt. Das klingt alles recht begeistert und die Probleme mit der Endlagerung werden zwar angesprochen, aber imho nicht ausreichend stark gewichtet. Trotzdem: ein “unverhohlenes Plädoyer” bzw. eine “Preisung” neuer AKWs, wie von der FTD behauptet, erkenne ich darin nicht. Als mögliche Endlagerstätten werden – neben den Salzstöcken wie z.B. in Gorleben – auch “Tonsteinformationen” erwähnt. Damit deutlich, dass die Beschränkung der Endlagersuche auf Salzstöcke eine politische und keine wissenschaftliche Gründe hat. Tonsteinsedimente gibt es auch in BaWü und vielleicht auch in anderen unionsregierten Ländern, die zwar Atomenergie toll finden, aber von einem Endlager in ihrem Bundesland nichts wissen wollen.
Neben der Atomkraft (5 von 61 Seiten) nehmen erneuerbare und fossile Energien und die Energieeffizienzsteigerung breiten Raum ein.

- Frau Schavan hält die Studie nicht unter Verschluss bis nach der Bundestagswahl, sondern die Institutionen, von denen die Studie erarbeitet worden ist, haben sich darauf verständigt, die Ergebnisse erst nach der Wahl (am 15. Oktober) vorzustellen, um eine möglichst ruhige Diskussion zu ermöglichen. Das klingt für mich plausibel, denn dass das Gutachten im Wahlkampf offenbar wirklich nicht sachlich diskutiert werden kann, zeigen ja jetzt die Reaktionen. Frau Schavan dürfte die Verschiebung der Gutachtenpräsentation allerdings ganz gelegen gekommen sein: eine Atom- und Endlagerdebatte kann die CDU nicht gebrauchen.
Von einer Verschlusssache kann auch deshalb keine Rede sein, weil eine Zusammenfassung (”Executive Summary”) der Studie auf der Seite der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften einsehbar ist. (Nachtrag: Offenbar wurde die Studie erst nach der Diskussion gestern nachmittag online gestellt [siehe Kommentar Nr. 25 bei netzpolitik.org, leider nicht direkt verlinkbar])

Alles in allem ist das Gutachten, soweit man das aus der Zusammenfassung ablesen kann, nicht “brisant” (aber interessant und diskussionswürdig, weil der Schwerpunkt imho zu wenig auf erneuerbaren Energie liegt) und mit Sicherheit keine Aufregung über eine vermeintliche “Atomstudie” wert.

24h Berlin

Sonntag, den 6. September 2009

Das Wochenende mit seinem schlechten, regnerischen Wetter bot sich ja geradezu an zum fernsehen. Das haben wir dann, neben Keller ausmisten, auch getan.
Auf Arte und dem RBB lief gestern 24 Stunden lang die Doku “24 h Berlin – Ein Tag im Leben “. Eine Dokumentation, 1440 Minuten lang, über einen Tag im Leben von Menschen in Berlin.

Die Doku zieht einen in den Bann. Der besondere Reiz an die 24-Stunden-Echtzeit-Doku ist die Gleichzeitigkeit des Guckens und die Handlung in der Doku selbst. Wenn es 10.30 Uhr in der Realität ist, ist es bei den Menschen in der Reportage auch gerade 10.30 Uhr. Faszinierend.

Auch ohne die Gleichzeitigkeit ist die Doku an sich ein Highlight. Der Film räumt den Protogonisten breiten Raum ein, beobachtet sie, lässt sie zu Wort kommen, hört ihnen zu, aber stellt sie nie bloß; die Kamera hat den Blick für Details. Die Off-Kommentare sind zurückhaltend, erklären die Szenerie oder die Location, fassen zusammen, leiten über. Es ist nie Gelaber. Und es sind gute Sprecher, besonders gefallen hat mir Axel Milberg mit seinem lapidar-ironischen Unterton.
Dazu kommt eine gute Musikuntermalung (auch wenn die chillige Synthie-Musik nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte), die Szenen werden gut miteinander verwoben, statt schneller Schnitte gibt es eher lange Szenen. Zur Überleitung sehen wir Szenen aus der Stadt, Menschen die Auto oder Rad fahren, laufen, essen, trinken oder wir sehen Berlin aus der Vogelperspektive. Auch die halbstündlichen “Nachrichten” mit den teilweisen kuriosen Statistiken lockern auf. Einzig die selbstgedrehten Videoclips hätte ich jetzt nicht haben müssen.

Alles in allem ist es eine sehr stimmige, sehr schöne Dokumentation eines Tages in Berlin und der Menschen in dieser Stadt geworden. Schön, dass Arte und der RBB für 24 Stunden ihr übliches Programmschema über den Haufen geworfen haben, um diese Doku zu zeigen.

Wer’s verpasst hat, kann ab heute abend auf RBB sechs mal je vier Stunden sehen. Oder es kann sich die Videostreams angucken, leider nur in mäßiger Bild- und Tonqualität. Hinweise auf eine DVD konnte ich bisher noch nicht finden.

Scheingefechte

Donnerstag, den 20. August 2009

Können wir uns bitte in diesem Wahlkampf noch einmal ernsthaften Themen zuwenden statt künstlich gemästete Säue durchs Dorf zu jagen?!
Also statt der zum Skandal aufgeblasenen Sache um Ulla Schmidts Dienstwagen und die 18-Illusionsprozentpunkte-Umfrage.

Es ist ja nicht so, dass uns die Themen fehlen. Explodierende Staatsverschuldung, Rezession, aller Voraussicht nach stark steigende Arbeitslosigkeit im kommenden Herbst bzw. nächsten Jahr, Afghanistan fliegt uns um die Ohren und das Banken- und Finanzsystems hat immer noch keine neuen Regeln verpasst bekommen, in unseren Ministerien sitzen Lobbyisten und schreiben ihre Gesetze selbst und am Horizont dräut noch der Klimawandel.

Steinmeiers “Deutschlandplan” hätte ja als Diskussionsbeginn dienen können. Wir könnten mal darüber reden, wie wir in Zukunft leben wollen, wie wir dieses Ziel erreichen können. Aber nicht mal im Angesicht dieser Wirtschaftskrise schaffen es unsere Politiker, eine Vision von der Zukunft zu entwerfen und dafür zu werben. Hier böten sich Chancen, sich voneinander abzugrenzen und Menschen zu begeistern. Wenn von Obamas erfolgreichem Wahlkampf geredet wird, dann wird das gerne mal auf Social Networks und seine Onlinekampagne reduziert. Nein, Obama hatte erst eine Vision, konnte damit Menschen begeistern und dann haben sie ihn unterstützt. Das ganze Internetgedöns war dann nur Mittel zum Zweck.
Darum klappt auch der Onlinewahlkampf der deutschen Parteien nicht: keine Begeisterungsfähigkeit.

Und die Medien ziehen sich auch lieber auf Nebenkriegsschauplätze zurück, statt wichtige, relevante Themen zu recherchieren und verständlich aufzubereiten.

Erweckung

Freitag, den 19. Juni 2009

Etwas gutes hat die Netzsperrendiskussion ja auch: von mangelnder Relevanz von Blogs redet wohl zur Zeit niemand. Oder von einem Blogherbst bzw. Blogblues. Die knapp 135.000 Stimmen für die bisher erfolgreichste ePetition wäre ohne Blogosphäre (und auch Twitter) nie zustande gekommen, der kleine Achtungserfolg der Piratenpartei bei der Europawahl mit knapp 230.000 Stimmen – ohne Blogs und Twitter undenkbar. Und überhaupt hätte es ohne Blogs keine argumentative Auseinandersetzung in diesem Ausmaße über die Netzsperren gegeben. Erst nach und nach sind die klassischen Medien aufgesprungen und haben die gebloggten Argumente aufgenommen. Die Entschärfung des Zensursula-Gesetzes ist sicher auch auf die massive Kritik aus dem Internet zurückzuführen.

Angefangen hat es damals mit dem Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung. Wer darüber mehr wissen wollte, musste Blogs lesen. Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass die herkömmlichen Medien falsch, unausgewogen oder gar nicht über bestimmte Themen berichten, dann suchen sich diese Menschen eben andere Verbreitungswege. Das war damals beim nach 9/11 und beim Irakkrieg in den USA so, das ist heute bei Datenschutz-, Bürgerrechts- und Netzthemen in Deutschland der Fall. Dort drüben sind Blogs und Social Networks bereits eine relevante Größe, an der man nicht mehr vorbeikommt. Spätestens seit dem Wahlkampf von Obama ist das auch hier sichtbar.

Ich bin zuversichtlich, dass eine ähnlich einflussreiche Netzgemeinde in Deutschland auch möglich ist, es ist bereits jetzt eine beispiellose Politisierung zu erkennen. Die kommende Bundestagswahl wird das wahrscheinlich noch nicht signifikant beeinflussen, aber die Zeit wird kommen.

Hysterie um RTLs “Erwachsen auf Probe” – und wie es auch anders geht

Mittwoch, den 3. Juni 2009

Heute morgen im Deutschlandfunk sprach Andreas Stopp, verantwortlicher Medienredakteur des Radiosenders, über das Dilemma in der Berichterstattung über die Sendung “Erwachsen auf Probe” von RTL: Würde man über die Sendung berichten, würde man der PR des Fernsehsenders in die Hände spielen; würde man hingegen nicht berichten, käme man dem Informationsauftrag nicht nach.

Hmm, klingt nach einem wirklichen Dilemma. Ist es aber gar nicht. Man (= Journalist) könnte nämlich einerseits die Heucheleien des Senders und die Dramaturgie der Sendung beleuchten, um dann dabei möglicherweise festzustellen, dass alles halb so wild ist. Andererseits könnte man dabei auf Hysterie verzichten, um eben gerade nicht das Format spannender erscheinen zu lassen, als es in Wirklichkeit ist und wie es der PR von RTL gut in den Kram passt.

Geht nicht? Doch, geht. Stefan Niggemeier hat zwei lesenswerte, informative aber vollkommen unaufgeregte Beiträge zu “Erwachsen auf Probe” geschrieben. Die Babys waren nie allein, die Mütter immer in unmittelbarer Nähe, die Kinder haben keinen offenkundigen Schaden erlitten, die Protagonisten werden nicht lächerlich gemacht … und RTL will mit dem Format nicht die Welt retten sondern Geld verdienen. Also nichts, was die Hysterie rechtfertigen würde.

Dabei gäbe es im Zusammenhang mit solchen Sendungen durchaus Diskussionsbedarf, jenseits von Geschmacks- oder Moralfragen:

Manche halten die Aufregung um “Erwachsen auf Probe” für den Anfang einer überfälligen Debatte über die Werte und Grenzen des Fernsehens heute. Aber dafür müsste man schon das taube Festhalten an der eigenen Position bei kontinuierlicher Steigerung der Lautstärke mit einer solchen Debatte verwechseln.

Die Diskussion, ob eine solche Sendung ausgestrahlt werden darf oder verboten werden muss, verhindert die Frage, in welcher Form sich das Fernsehen brisanten Themen und der Lebenswirklichkeit widmen sollte und wie es seiner Verantwortung gegenüber den Protagonisten gerecht wird. Das wären Fragen, die nicht nur angesichts der Explosion von billigsten und höchst zweifelhaften Reality-Formaten im Tagesprogramm der Sender notwendig und brisant wären.

Von dem Geschrei über die Produktion von “Erwachsen auf Probe” bleibt, nüchtern betrachtet, vor allem eine sehr berechtigte Forderung: die Mitwirkung von Kindern bei Reality-Formaten zu regeln. Bislang gibt es nur Vorschriften für Dreharbeiten mit Kindern als Schauspielern. Sinnvoll wäre zum Beispiel die Pflicht, dass ein fachkundiger Betreuer vor Ort ist, der ausschließlich den Interessen der Kinder verpflichtet ist und nicht denen der Produktion. Eine solche, vom Jugendamt vermittelte Aufsicht könnte auch dann einschreiten, wenn die Eltern der Protagonisten sich vielleicht nicht trauen. Und er könnte, wenn – wie im Fall von “Erwachsen auf Probe” – umstritten ist, welche Bedingungen tatsächlich vor Ort herrschten, für Klarheit sorgen.

Könnten wir bitte darüber reden, wie wir das organisieren?

Ah, können wir nicht.

Der Deutschlandfunk hat nach dem Gespräch mit Andreas Stopp eine kleine Reportage im Programm gehabt, in der es um minderjährige Mütter und ihre Probleme geht und wie der Staat ihnen hilft. Jenseits von RTL und Dramaturgie. So geht’s eben auch.

Nachtrag, nachdem ich die Sendung gesehen habe: Viel Lärm um nichts. Die Sendung ist keinen Skandal wert, man kann sie mögen oder auch nicht. Alles ist gemacht im Stil von Super-Nanny, Schuldnerberater Zwegat und “Teenager außer Kontrolle”. Auch der Sprecher ist der gleiche. Aber die Kessler nervt.

Winnenden

Mittwoch, den 11. März 2009

Ich bin gespannt, wie lange es nach diesem Amoklauf dauert, bis wir wieder eine Egoshooter-Verbotsdebatte bekommen.
Ha, es hat schon angefangen.

Nachtrag (16.03.09): Es gibt aber auch die differenzierten Kommentare über sog. Killerspiele. Zwei Beispiele.

Scharmützel in Hessen

Montag, den 10. März 2008

Ich weiß gar nicht so recht, wie ich die Situation in Hessen einschätzen soll. Die SPD dort macht Fehler, aber trotzdem: Zu sehr sieht mir das aufgebauscht aus; zu sehr riecht es nach Kampagne. Spiegel Online will mir seit Tagen einreden, Beck wäre am Ende, Ypsilanti reißt ihn in den Abgrund und die gesamte SPD gleich hinterher.

Andererseits wird mir die angeblich so aufrechte Landtagsabgeordnete Metzger präsentiert, die sich allein ihrem Gewissen verpflichtet fühlt und deshalb nicht mit der Linken zusammenarbeiten will. Bei näherer Betrachtungsweise stellt sich aber heraus, dass Frau Metzger Ypsilanti ziemlich ins offene Messer laufen lassen hat. An der entscheidenen Fraktionssitzung, in der Frau Ypsilanti die Gefolgschaft der Landtagsfraktion für ihren Plan einer Minderheitsregierung unter Zusammenarbeit mit der Linken ausloten wollte, wegen eines Urlaubs nicht teilgenommen hat. Von den anwesenden Abgeordneten kam kein Einspruch und so ging Frau Ypsilanti mit dem Plan, sich der Wahl zur Ministerpräsidentin zu stellen, an die Öffentlichkeit. Das Veto von Frau Metzger kam dann zuerst in die Presse als ins Ohr von Frau Ypsilanti. Sieht aber nach außen ziemlich dumm für Ypsilanti aus.

Dann versucht die SPD in Hessen, Frau Metzger wieder auf Linie zu bringen, rät ihr ein Mandatsverzicht an. Die Wirkung nach außen: Eine Aufrechte soll gebrochen werden. Die Schlagzeilen sind dementsprechend. So sehr ich Abgeordnete mag, die nach Gewissen und nicht nach Fraktions- oder Parteidisziplin abstimmen – so wenig gefällt mir Frau Metzger in der Rolle der aufrechten Abgeordneten. Durch ihr Schwänzen der sehr wichtigen Fraktionssitzung kam es erst dazu, dass Ypsilanti wie ein Idiot dasteht. (Und nicht wegen Metzgers Nein zur Zusammenarbeit mit der Linken. Wenn für Frau Metzger fundamentale Gründe gegen eine Zusammenarbeit mit der Linken sprechen, dann sagt man das frühzeitig und nicht erst, wenn der Zug schon Fahrt aufgenommen hat.)

All denjenigen, die eine Zusammenarbeit der SPD mit der Linken verteufeln, die schreiben jetzt umso wilder die SPD runter. Missverständnisse in Hessen, Beck hütet krank das Bett, die SPD weißt nicht so recht, wie sie mit der Linkspartei umgehen soll – besser geht es kaum, wenn man eine Kampagne gegen die SPD starten will. Und so wird einerseits die Grün-Schwarze Koalitionsabsicht in Hamburg als Wiedervereinigung des Bürgertums bejubelt, andererseits darf sich die SPD in einem Fünfparteiensystem keinen neuen Partner suchen.

Und natürlich reitet man immer noch auf auf dem vermeintlichen Wahlbetrug bzw. Wortbruch herum, dass Frau Ypsilanti vor der Wahl eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ausgeschlossen hat. Der Ausschluss solch einer Zusammenarbeit war der Fehler von Ypsilanti, nicht aber ihr jetziger Wille zur Minderheitsregierung unter Zuhilfenahme der Stimmen der Linkspartei.
Es gibt schlimmere Brüche von Wahlversprechen. Zumal die Einhaltung eines Nichtkoalitionsundnichtzusammenarbeitsversprechen eh nicht in den Händen der Gewählten liegt, sondern einzig die Wähler darüber entscheiden, wie die Mehrheitsverhältnisse liegen. Dann ist es an der Zeit, sich die Mehrheiten zu suchen, die man für eine Regierung braucht. Frau Ypsilanti tut das – wenn auch zugegebenermaßen recht ungeschickt.

Apropos Mehrheit: Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn man der Frau Metzger ihren Willen lässt? SPD, Grüne und Linke kommen auf 57 Stimmen, 56 Stimmen sind die Mehrheit im hessischen Landtag. Es kommt also auf Metzger gar nicht an.
Wenn man einerseits gewissens- statt linientreue Abgeordnete wünscht, darf man andererseits in der Presse nicht losplärren, wie wenig geschlossen doch Partei X agiert und wie wenig Führungsstärke Parteichef Y zeigt. Da ist doch ganz viel Heuchelei und Opportunismus von den Medien dabei.

Broder & Co. gegen Stefan Niggemeier und Bildblog

Montag, den 25. Februar 2008

Henryk M. Broder geht mit 2:1 in Führung. Erst kritisiert ihn Stefan Niggemeier und Broder keilt zurück. Er wirkt dabei reichlich beleidigt und spart nicht mit farbigen Metaphern.
9 Tage später der nächste Streich: Bild-Leser Broder hat sich das Bildblog angeguckt und findet es kleinkariert, langweilig und eigentlich total doof .

Dabei geht Broder mit einem ganz einfachen und doch billigen Trick vor: Er unterstellt demjenigen, der Dreck kritisiert, er würde in Wahrheit den gerade diesen Dreck lieben und im Übrigen wäre er ohne diesen Dreck eh überflüssig und arbeitslos. Eigentlich ist so einer nur ein Parasit.
Konkret: Stefan Niggemeier findet in Wahrheit die Bild-Zeitung ganz toll und und das Bildblog ist nur ein Alibi, diese tolle Zeitung lesen zu dürfen. Außerdem ernährt sich Niggemeier nur wie ein Parasit von den Fehlern der Bild. Würde Bild plötzlich keinen Mist mehr schreiben, dann hätte Niggemeier ja nichts mehr zu tun.
Und weil das Korinthenkacken allein so langweilig ist, hat man eben das Bildblog aufgemacht, um mit anderen zusammen kacken “wichsen” zu können.

Eine gewisse Faszination für Bild muss man wohl mitbringen, um das Bildblog zu machen. Was die Autoren antreibt, kann man dort ja auch nachlesen , wenn man mag. Und manches am Bildblog ist auch wirklich kleinkariert – geschenkt. Trotzdem halte ich das Bildblog für ein wichtiges Watchblog einer Zeitung, die eigentlich nicht wichtig sein dürfte, aber von vielen Menschen (darunter auch viele Entscheidungsträger, Politiker etc.) ernst genommen wird.

Die Bild schreibt wirklich viel Mist, dessen man sich als Nicht-Bild-Leser gar nicht bewusst ist. Und ja, ich möchte darüber informiert werden, ohne selbst diese Zeitung lesen zu müssen oder gar Geld dafür ausgeben zu müssen.

Die ganze Debatte wird dann auch gleich noch weitergetragen: der Broder-Artikel schafft es auf welt.de und in die gedruckte Ausgabe, berichtet Broder-Kumpel und Welt-Autor Miersch (der das Offensichtliche als Verschwörung diskreditieren will und nebenbei noch nicht gemerkt hat, dass sich die Domain seiner Gutachse geändert hat). Allerdings erschien er in der Welt mit neuer Überschrift und ohne die schöne Wichs-Metapher.
Es ist wohl kein Zufall, dass der Artikel über Stefan Niggemeier und das Bildblog in der Welt steht. Der Axel-Springer-Verlag befindet sich gerade im Clinch mit dem Bildblog wegen dessen Beschwerden gegen die Bild beim Presserat.
Und auch der Chef der Axel-Springer-Akademie äußert sich in seinem Blog über die Fehde Broder vs. Niggemeier. Die Bildblog-Leser kommen auch hier nicht gut weg.