<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Reflexionsschicht &#187; politisches</title>
	<atom:link href="http://blog.tobias-haase.de/category/politik/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://blog.tobias-haase.de</link>
	<description>Gedachtes, Gemeintes und Reflektiertes</description>
	<lastBuildDate>Tue, 07 Sep 2010 22:21:38 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.8.5</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Sarrazin und seine Angst vor Ver&#228;nderungen</title>
		<link>http://blog.tobias-haase.de/2010/09/07/sarrazin-und-seine-angst-vor-veraenderungen/</link>
		<comments>http://blog.tobias-haase.de/2010/09/07/sarrazin-und-seine-angst-vor-veraenderungen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 07 Sep 2010 21:56:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias</dc:creator>
				<category><![CDATA[nachdenkliches]]></category>
		<category><![CDATA[politisches]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.tobias-haase.de/?p=564</guid>
		<description><![CDATA[Auweia, die Sarrazin-Debatte wird ja immer wilder. Jetzt kommt auch noch das &#8220;Argument&#8221; namens &#8220;Man wird ja wohl noch sagen d&#252;rfen, dass &#8230;&#8221; Lieber Himmel, Herr Sarrazin darf es doch sagen. Er tut es sogar sehr &#246;ffentlich, in Pressekonferenzen, in Interviews, in Talkshows und bald auf einer Lesereise. Keiner verbietet ihm das Wort, sein Buch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auweia, die <a title="de.wikipedia.org: Deutschland schafft sich ab" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland_schafft_sich_ab">Sarrazin-Debatte</a> wird ja immer wilder. Jetzt kommt auch noch das <a title="sixtus.cc: Schwachfugsignalphrasen" href="http://sixtus.cc/schwachfugsignalphrasen">&#8220;Argument&#8221;</a> namens <a title="carta.info: BILD erliegt dem Boulevard-Gen: Man wird ja wohl noch sagen d&#252;rfen-Kampagne f&#252;r Sarrazin" href="http://carta.info/33358/bild-erliegt-dem-boulevard-gen-man-wird-doch-wohl-noch-sagen-duerfen-kampagne-fuer-sarrazin/">&#8220;Man wird ja wohl noch sagen d&#252;rfen, dass &#8230;&#8221;</a> Lieber Himmel, Herr Sarrazin <a title="sprengsatz.de: Sarrazin und die Meinungsfreiheit" href="http://www.sprengsatz.de/?p=3480">darf es doch sagen</a>. Er tut es sogar sehr &#246;ffentlich, in Pressekonferenzen, in Interviews, in Talkshows und bald auf einer Lesereise. Keiner verbietet ihm das Wort, sein Buch wird nicht zensiert, er wird nicht angeklagt o.&#228;. &#8211; kurz: er darf seinem Recht auf Meinungsfreiheit nachkommen. Davon macht er ja nun regen Gebrauch.<br />
Aber zur Meinungsfreiheit geh&#246;rt auch, dass andere auf das Gesagte reagieren und dass sie das Gesagte vielleicht sogar f&#252;r hochgradigen Schwachsinn halten. Und in manchen F&#228;llen geh&#246;rt es auch dazu, dass man sich um Kopf und Kragen redet, Parteimitgliedschaft und den Posten im Vorstand der die Bundesrepublik repr&#228;sentierenden Bundesbank riskiert (womit man ihn finanziell auch nicht ruinieren d&#252;rfte).</p>
<h4>Biologische Begr&#252;ndung ist schwachsinnig, aber soziologische Erkl&#228;rung wird ignoriert</h4>
<p>Sarrazins Kernthese ist ja: Deutschland wird &#228;rmer und d&#252;mmer, weil die jetzt D&#252;mmeren und Faulen mehr Kinder kriegen als die Kl&#252;geren und Flei&#223;igeren. Weil sich au&#223;erdem Intelligenz vererbt, wird &#252;ber kurz oder lang die <a title="bild.de: Deutschland wird immer &#228;rmer und d&#252;mmer!" href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/08/23/thilo-sarrazin/deutschland-immer-aermer-und-duemmer.html">&#8220;qualitative&#8221;</a> Zusammensetzung unserer Gesellschaft verkommt. Und weil die meisten Dummen und Faulen unter den Migranten zu finden sind, sind diese also unser Untergang. Kurzum: es bekommen die falschen Leute Kinder. Diese These ist <a title="das-netzbuch.de: In Deutschland kriegen die Falschen die Kinder" href="http://www.das-netzbuch.de/article/2152/in-deutschland-kriegen-die-falschen-die-kinder">nicht neu</a> und hat schon fr&#252;her zu einer gewissen Aufregung gef&#252;hrt.<br />
Akademikerfrauen bekommen im Durchschnitt weniger Kinder als weniger gebildete Frauen. Das ist ein Fakt und l&#228;sst sich <a title="destatis.de: Geburten und Kinderlosigkeit in Deutschland" href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/GeburtenSterbefaelle/AktuellGeburten,templateId=renderPrint.psml">statistisch belegen</a>. Gut, man k&#246;nnte nat&#252;rlich auch argumentieren (oder sich alternativ im eigenen Bekannten-/Familienkreis umh&#246;ren, wenn man nicht die Bodenhaftung verloren hat), dass es f&#252;r viele dieser flei&#223;igen und klugen Menschen einfach unheimlich schwer ist, Kinderkriegen und Beruf unter einen Hut zu kriegen ist, wenn die Anforderungen nach Aus- und Weiterbildung im Job st&#228;ndig steigen, Aufopferung und stetige Erreichbarkeit vorrausgesetzt werden.</p>
<p>Oder man k&#246;nnte <a title="wissenslogs.de: Herr Sarrazin und seine Quellen" href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/mente-et-malleo/skeptische-ecke/2010-09-06/herr-sarrazin-und-seine-quellen">andere Erkl&#228;rungsmuster zu Rate</a> ziehen, die den oben beschrieben Bildungs-Geburtenratezusammenhang erhellen. Z.B. eher sozialwissenschaftliche Erkl&#228;rungsmuster. Dass Bildungsunterschiede sehr h&#228;ufig soziale Gr&#252;nde haben, Migranten h&#228;ufig aus eben jenen sozial schw&#228;cheren Schichten kommen und die Geburtenrate auch bei Migranten mit dem Ansteigen des Bildungsniveaus abnehmen. K&#246;nnte man.<br />
Man kann aber auch sein <a title="idw-online.de: Thilo Sarrazin hat grundlegende genetische Zusammenh&#228;nge falsch verstanden" href="http://idw-online.de/pages/de/news384817">Unwissen in Sachen Genetik und Biologie</a>* zur Schau stellen und sich dann daraus eine Theorie zur Erblichkeit von Intelligenz/Flei&#223;/Interesse basteln: weil die Migraten ein bisschen doof sind, sie mehr Kinder produzieren und sich diese Doofheit vererbt, darum wird Deutschland bald auch doof sein. Damit verwechselt Sarrazin mal wieder Korrelation mit Kausalit&#228;t: der Migrantenstatus korreliert im Durchschnitt mit dem schlechteren Bildungsniveau. Der Grund, die Kausalit&#228;t, daf&#252;r ist bei Sarrazin die Herkunft, die Nationalit&#228;t, ja vielleicht sogar die Religion (&#252;berhaupt reiht sich f&#252;r mich die Debatte zu sehr ins gerade popul&#228;re Islambashing ein). Soziologische Erkl&#228;rungsmuster <a title="zeit.de: Sind Muslime d&#252;mmer? (Langes Interview mit Sarrazin)" href="http://www.zeit.de/2010/35/Sarrazin?page=4">lehnt er ab</a>.<br />
Ein weiteres Problem an Sarrazins Thesen ist ihre <a title="carta.info: Sarrazin und die normative Kraft von Supermemen in der &#214;ffentlichkeit" href="http://carta.info/33234/sarrazins-frei-erfundene-fakten-supermeme-und-die-normativen-kraft-der-oeffentlichkeit/">&#8220;gef&#252;hlte Richtigkeit&#8221;</a>, die sich nicht eben mal so schnell widerlegen lassen. Wenn er Statistiken falsch interpretiert oder schlicht falsch wiedergibt, oder aber wenn er sich selbst welche <a title="sz-magazin.de: Ich sage: Guido, Thilo - Maul halten." href="http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/33007/">ausdenkt</a>.</p>
<p>Die Theorie, dass bestimmte Bev&#246;lkerungsgruppe bestimmte Eigenschaften haben und diese dann weitergeben, scheint zumindest unter alten M&#228;nnern der SPD (hier: Klaus von Dohnanyi) weiter verbreitet zu sein, <a title="weissgarnix.de: Dohnanyis ganz privater Bildungsnotstand" href="http://www.weissgarnix.de/2010/09/06/dohnanyis-ganz-privater-bildungsnotstand/">als ich dachte</a>:</p>
<blockquote><p>Sarrazins Behauptung, dass es besondere, kulturelle Eigenschaften von Volksgruppen gibt, kann heute niemand mehr mit Sachkenntnis bestreiten. Die amerikanische Enzyklop&#228;die der Sozialwissenschaften nennt das social race: &#8220;soziale Rasse&#8221;. Sarrazin sieht nun bei Teilen islamischer Gruppen eine Ablehnung der Integration und darin Gefahren f&#252;r unsere Bildungs- und Leistungsgesellschaft.</p></blockquote>
<p>Was soll denn das hei&#223;en? Der T&#252;rke (der Muslim?) ist halt so, der ist nun mal ein bisschen faul, der kann nicht anders?! Ich gehe ja durchaus d&#8217;accord, dass es in anderen L&#228;nder andere Ansichten zu z.B. P&#252;nktlichkeit, Arbeitseifer, Freundlichkeit etc. (um das Wort &#8220;Tugenden&#8221; nicht zu verwenden) gibt. Aber ich w&#252;rde das nicht auf &#8220;Volksgruppen&#8221; als solche anwenden. Warum sollten Migranten nicht in einem anderen gesellschaften Umfeld diese ver&#228;nderten Gepflogenheiten annehmen?</p>
<h4>Angst vor Ver&#228;nderungen</h4>
<p>Ich finde ohnehin &#8211; und das spricht ja daf&#252;r, dass es besonders bei alten Leuten ein beliebtes Thema zu sein scheint -, dass hier die Themenbereiche Bev&#246;lkerung, Intelligenz und Tugenden allzu statisch gesehen werden. Wer h&#228;tte denn vor 200 Jahren, als in Europa noch &#252;berwiegend Analphabeten lebten, gedacht, dass wir mit den Nachfahren dieser Menschen heute am Beginn einer Wissensgesellschaft stehen. F&#252;r eine Evolution der Intelligenz ist dieser Zeitraum zu kurz. Oder anders gesagt: mit dem Bildungswesen von heute w&#228;ren aus den damaligen vermeintlich dummen, aber eben nur ungebildeten Menschen auch schon die gleichen intelligenten Menschen wie heute hervorgegangen. Es h&#228;ngt eben viel st&#228;rker von &#228;u&#223;eren Einfl&#252;ssen ab als von der genetischen Ausstattung. Oder besser: erst mit den richtigen &#228;u&#223;eren Einfl&#252;ssen kann das Potential der genetischen Ausstattung abgerufen werden. Dann die Sache mit den Tugenden, die ja auch bei Sarrazin explizit genannt werden oder zwischen den Zeilen durchschimmern: auch da ist nichts statisch. Oskar Lafontaine <a title="de.wikiquote.org: Oskar Lafontaine" href="http://de.wikiquote.org/wiki/Oskar_Lafontaine">meinte ja mal</a>, mit bestimmten in Deutschland beliebten Sekund&#228;rtugenden lie&#223;e sich eben prima ein KZ betreiben. Dahinter steckt ja nichts anderes, als dass sich Tugenden und gesellschaftliche Werte ver&#228;ndern, einige gewinnen, andere verlieren an Bedeutung. R&#252;ckblickend betrachtet ist das nicht mal so schlecht.<br />
Und so w&#252;rde ich Sarrazins Buch auch ein gutes St&#252;ck weit als Ausdruck einer gro&#223;en Angst vor Ver&#228;nderungen ansehen.</p>
<p>Und ja, zum Abschluss: wir k&#246;nnen und m&#252;ssen &#252;ber Integration reden. Und wir tun das nun auch laufend. Kein Jahr vergeht ohne neue Integrationsdebatte. Das ist doch nun wirklich kein Tabu mehr. Aber die, die am meisten von mangelnden Integrationswillen der Migranten reden, die aus der schwarzen Ecke und alte SPDler, haben bis in die 90er Jahre von Gastarbeitern gesprochen und jegliche <a title="weissgarnix.de: Heinz K&#252;hn statt Thilo Sarazzin" href="http://www.weissgarnix.de/2010/09/02/heinz-kuhn-statt-thilo-sarazzin/">Debatte &#252;ber Deutschland als Einwanderungsland verweigert</a>. Und vielleicht steht es ja um die Integration <a title="Mirror von tagesschau.de: Was ist dran an Sarrazins Thesen?" href="http://www.webcitation.org/5sKUDhNd3">sogar</a> <a title="spiegel.de: Es gibt keine Integrationsmisere in Deutschland" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,716081,00.html">besser</a>, als es uns die aktuelle Sarrazin-Debatte wei&#223;machen will.</p>
<p><small>* Sarrazin hat diese Unwissenheit in Sachen Genetik/Molekularbiologie keineswegs exklusiv. Bei Berichten oder Diskussionen &#252;ber z.B. Gentechnik tun sich ja regelm&#228;&#223;ig Abgr&#252;nde in der deutsche Presse, aber auch in Blogs auf.</small></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.tobias-haase.de/2010/09/07/sarrazin-und-seine-angst-vor-veraenderungen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Weltmarktf&#252;hrer Afghanistan</title>
		<link>http://blog.tobias-haase.de/2010/06/27/weltmarktfuehrer-afghanistan/</link>
		<comments>http://blog.tobias-haase.de/2010/06/27/weltmarktfuehrer-afghanistan/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 27 Jun 2010 18:28:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias</dc:creator>
				<category><![CDATA[merkwürdiges]]></category>
		<category><![CDATA[politisches]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.tobias-haase.de/?p=560</guid>
		<description><![CDATA[Aus einer kleinen Meldung von vor ein paar Tagen:
Aus Afghanistan stammen weiter 90 Prozent des Rohopiums f&#252;r den Heroinmarkt.
Zur Erinnerung: Afghanistan steht milit&#228;risch im Rahmen ISAF-Einsatzes unter der Kontrolle internationaler Truppen, angef&#252;hrt von den USA. Entweder wollen die den Opiumanbau nicht verhindern oder sie k&#246;nnen es nicht.
Wenn sie es nicht wollen, w&#228;re das eine politische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus einer <a title="spiegel.de: Uno-Drogenbericht: Mafia setzt auf Aufputschmittel" href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,702451,00.html">kleinen Meldung</a> von vor ein paar Tagen:</p>
<blockquote><p>Aus Afghanistan stammen weiter 90 Prozent des Rohopiums f&#252;r den Heroinmarkt.</p></blockquote>
<p>Zur Erinnerung: Afghanistan steht milit&#228;risch im Rahmen <a title="de.wikipedia.org: ISAF" href="http://de.wikipedia.org/wiki/ISAF">ISAF</a>-Einsatzes unter der Kontrolle internationaler Truppen, angef&#252;hrt von den USA. Entweder <em>wollen</em> die den Opiumanbau nicht verhindern oder sie <em>k&#246;nnen</em> es nicht.<br />
Wenn sie es nicht wollen, w&#228;re das eine politische Bankrotterkl&#228;rung, denn man kann nicht einerseits den Drogenanbau, -vertrieb (mafi&#246;se Strukturen!) und -konsum weltweit &#228;chten, dann aber zugucken, wie das Zeug vor Ort produziert wird.<br />
Wenn sie es nicht k&#246;nnen, weil sie die Mohnfelder und Produktionsst&#228;tten nicht finden k&#246;nnen, ist das eine milit&#228;rische Bankrotterkl&#228;rung. Wenn sie die Felder nicht aussp&#252;ren k&#246;nnen, dann k&#246;nnen sich auch die Terroristen/Taliban/Aufst&#228;ndischen/B&#246;sen Jungs im Allgemeinen verstecken.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.tobias-haase.de/2010/06/27/weltmarktfuehrer-afghanistan/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Handelswege schaffen auch mit Waffen</title>
		<link>http://blog.tobias-haase.de/2010/05/25/handelswege-schaffen-auch-mit-waffen/</link>
		<comments>http://blog.tobias-haase.de/2010/05/25/handelswege-schaffen-auch-mit-waffen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 25 May 2010 21:33:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias</dc:creator>
				<category><![CDATA[merkwürdiges]]></category>
		<category><![CDATA[politisches]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.tobias-haase.de/2010/05/25/handelswege-schaffen-auch-mit-waffen/</guid>
		<description><![CDATA[Na, da hat Bundeshorst K&#246;hler wohl vom Wahrheitsserum genascht:
Ricke: In der politischen Debatte wird auch dar&#252;ber nachgedacht, ob das Mandat, das die Bundeswehr in Afghanistan hat, ausreicht. Brauchen wir ein klares Bekenntnis zu dieser kriegerischen Auseinandersetzung und vielleicht auch einen neuen politischen Diskurs?
K&#246;hler: Nein, wir brauchen einen politischen Diskurs in der Gesellschaft, wie es kommt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Na, da hat Bundeshorst K&#246;hler wohl vom Wahrheitsserum genascht:</p>
<blockquote><p><strong>Ricke:</strong> In der politischen Debatte wird auch dar&#252;ber nachgedacht, ob das Mandat, das die Bundeswehr in Afghanistan hat, ausreicht. Brauchen wir ein klares Bekenntnis zu dieser kriegerischen Auseinandersetzung und vielleicht auch einen neuen politischen Diskurs?</p>
<p><strong>K&#246;hler:</strong> Nein, wir brauchen einen politischen Diskurs in der Gesellschaft, wie es kommt, dass Respekt und Anerkennung zum Teil doch zu vermissen sind, obwohl die Soldaten so eine gute Arbeit machen. Wir brauchen den Diskurs weiter, wie wir sozusagen in Afghanistan das hinkriegen, dass auf der einen Seite riesige Aufgaben da sind des zivilen Aufbaus, gleichzeitig das Milit&#228;r aber nicht alles selber machen kann, wie wir das vereinbaren mit der Erwartung der Bev&#246;lkerung auf einen raschen Abzug der Truppen. Und aus meiner Einsch&#228;tzung ist es wirklich so: Wir k&#228;mpfen dort auch f&#252;r unsere Sicherheit in Deutschland, wir k&#228;mpfen dort im B&#252;ndnis mit Alliierten auf der Basis eines Mandats der Vereinten Nationen. Alles das hei&#223;t, wir haben Verantwortung. Ich finde es in Ordnung, wenn in Deutschland dar&#252;ber immer wieder auch skeptisch mit Fragezeichen diskutiert wird. <strong>Meine Einsch&#228;tzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Gr&#246;&#223;e mit dieser Au&#223;enhandelsorientierung und damit auch Au&#223;enhandelsabh&#228;ngigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch milit&#228;rischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilit&#228;ten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zur&#252;ckschlagen negativ durch Handel, Arbeitspl&#228;tze und Einkommen.</strong> Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.</p></blockquote>
<p>Das hat er dem <a title="Interview Teil 1" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1188781/">Deutschlandfunk</a>/<a title="Interview Teil 2" href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1188780/">Deutschlandradio Kultur</a> (<a title="dradio.de: &quot;Sie leisten wirklich Gro&#223;artiges unter schwierigsten Bedingungen&quot; (komplettes Interview + Transkript)" href="http://www.dradio.de/aktuell/1191138/">komplett</a>) gesagt. Das ist schon starker Tobak, dass die Bundeswehr nach der Meinung des Bundespr&#228;sidenten aktuell und zuk&#252;nftig f&#252;r freie Handelswege k&#228;mpfen soll. Das w&#228;re eine neue Aufgabe f&#252;r Deutschlands Armee und Deutschlands Au&#223;enpolitik. Man muss seine Worte nicht mal auf die Goldwaage legen, um das herauszulesen. So offen hat den wirtschaftlich verwertbaren Zweck der milit&#228;rischen Au&#223;enpolitik Deutschlands noch kein Politiker beschrieben, glaube ich. Solche geo- und wirtschaftlichen Ziele verbindet man ja sonst eher mit Russland oder den USA.</p>
<p>Hat sich das der K&#246;hler selbst ausgedacht und steht er allein mit dieser Meinung da? Oder ist das <em>common sense</em> in der Bundesregierung/im Parlament und nur dem W&#228;hlervolk wird immer wieder die M&#228;r vom Aufbauhelfer und Demokratiebringer aufgetischt?</p>
<p>Am Rande: au&#223;er in der <a title="sueddeutsche.de: Warum h&#246;re ich das nicht von Ihnen?" href="http://www.sueddeutsche.de/politik/bundespraesident-koehler-in-afghanistan-warum-hoere-ich-das-nicht-von-ihnen-1.948375">S&#252;ddeutschen</a> stand diese bemerkenswerte Einsch&#228;tzung K&#246;hlers &#252;ber den Einsatzzweck der Bundeswehr im Ausland nirgends in der Presse. Erst durch <a title="rivva-Linkkosmos" href="http://rivva.de/http://www.querblog.de/2010/05/22/wie-bitte-herr-khler/">Blogs</a> bin ich darauf gesto&#223;en.</p>
<p>[via: <a href="http://blog.fefe.de/?ts=b50645fb">Fefe</a>]</p>
<p><strong>Nachtrag (27.05.10):</strong> Oh, das Thema ist in den Mainstreammedien <a title="Google News" href="http://news.google.de/news/story?pz=1&amp;cf=all&amp;ned=de&amp;ncl=dHV-7ElYdqD5Y7MFnmDKCa9JWyWAM&amp;topic=h">angekommen</a>. Niedlich ist ja <a title="spiegel.de: K&#246;hler entfacht neue Kriegsdebatte" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,696982,00.html">SpOn</a>, wie sie versuchen zu erkl&#228;ren, dass sie das Thema 5 Tage verschlafen haben:</p>
<p style="padding-left: 30px;">Der Bundespr&#228;sident hatte das Interview schon am Rand seines  Truppenbesuchs in Afghanistan gegeben, letzten Samstag ist es &#252;ber den  &#196;ther gegangen &#8211; doch die politische Debatte dar&#252;ber nimmt jetzt Fahrt  auf. [...]<br />
K&#246;hlers brisante Worte &#8211;  <span><a title="K&#246;hler-Interview im Deutschlandradio" href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1188780/" target="_blank">sie sind im  Internet abrufbar</a></span> &#8211; w&#228;ren beinahe untergegangen. Im  Interview mit dem Deutschlandradio fallen sie erst am Ende.</p>
<p>Fahrt aufnehmen konnte die Debatte ja bisher nicht, die Presse hat ja nicht dr&#252;ber berichtet. Und so wirklich am Ende f&#228;llt der Satz auch nicht, sondern als Antwort auf die 3. Frage (von insgesamt 4). Besonders lang ist das Interview nicht.</p>
<p>Interessanterweise ist K&#246;hler mit seiner Meinung nicht allein. Schon im aktuellen <a title="bmvg.de: Wei&#223;buch der Bundeswehr" href="http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLd4k3NjGwBMmB2CbuxvqREIY5XMzNHCIGVhiUkqrv65Gfm6rvrR-gX5AbGlHu6KgIAChnJ_s!/delta/base64xml/L3dJdyEvd0ZNQUFzQUMvNElVRS82X0RfMzQwOQ!!">Wei&#223;buch der Bundeswehr</a> aus dem Jahre 2006 wird im Kapitel &#8220;Grundlagen deutscher Sicherheitspolitik&#8221; unter der &#220;berschrift &#8220;Transportwege &#8211; Ressourcen &#8211; Kommunikation&#8221; auf Seite 22 geschrieben:
</p>
<p style="padding-left: 30px;">Deutschland hat aufgrund seiner immer engeren Verflechtung der Weltwirtschaft besonderes Interesse an internationaler Stabilit&#228;t und ungehindertem Warenaustausch. Wie viele L&#228;nder ist es in hohem Ma&#223;e von einer gesicherten Rohstoffzufuhr und sicheren Transportwegen in globalem Ma&#223;stab abh&#228;ngig und auf funktionierende Informations- und Kommunikationswege angewiesen. Verwerfungen im internationalen Beziehungsgef&#252;ge, St&#246;rungen der Rohstoff- und Warenstr&#246;me, beispielsweise durch zunehmende Piraterie, und St&#246;rungen der weltweiten Kommunikation bleiben in einer interdependenten nicht ohne Auswirkungen auf nationale Volkswirtschaft, Wohlstand und sozialen Frieden.</p>
<p>K&#246;hler hat im Prinzip nichts anderes gesagt: F&#252;r unseren eigenen Wohlstand brauchen wir Rohstoffe aus anderen L&#228;ndern und wenn mit denen grad kein Handel m&#246;glich ist, muss man den eben herbeif&#252;hren. Vielleicht hat der sich im Flieger von Shanghai nach Afghanistan ausf&#252;hrlich mit Bundeswehrleuten &#252;ber die deutsche Sicherheitspolitik unterhalten und unter diesem Eindruck hat er dann das mit den freien Handelswegen auch gegen&#252;ber dem Deutschlandfunk gesagt.</p>
<p><strong>Nachtrag (31.05.10):</strong> Nun hat K&#246;hler sogar wegen der &#8211; seiner Meinung nach amtsunw&#252;rdigen &#8211; Kritik an seinem Interview sogar <a title="tagesschau.de: Bundespr&#228;sident K&#246;hler tritt zur&#252;ck" href="http://www.tagesschau.de/inland/koehlerruecktritt100.html">das Handtuch geworfen</a>. Damit wird das Versagen der Presse, die dieses Interview &#252;bersehen hatten, noch offenkundiger: <a title="carta.info: Horst K&#246;hler: Ein R&#252;cktritt unter Blog-Mitwirkung" href="http://carta.info/28218/horst-koehler-ein-ruecktritt-unter-blog-mitwirkung/">Carta</a> zeichnet den Weg einer Meldung nach.</p>
<p style="padding-left: 30px;">
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.tobias-haase.de/2010/05/25/handelswege-schaffen-auch-mit-waffen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Frau Kraft und der gemeinwohlorientierte Arbeitsmarkt</title>
		<link>http://blog.tobias-haase.de/2010/03/12/frau-kraft-und-der-gemeinwohlorientierte-arbeitsmarkt/</link>
		<comments>http://blog.tobias-haase.de/2010/03/12/frau-kraft-und-der-gemeinwohlorientierte-arbeitsmarkt/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 23:00:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias</dc:creator>
				<category><![CDATA[nachdenkliches]]></category>
		<category><![CDATA[politisches]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.tobias-haase.de/2010/03/12/frau-kraft-und-der-gemeinwohlorientierte-arbeitsmarkt/</guid>
		<description><![CDATA[Die Aufregung um Hannelore Krafts Vorschlag vom Wochenende hat sich gelegt, nachdem bemerkt worden ist, dass Frau Kraft nicht den Westerwelle macht.
Den Anfang machte Spiegel Online, der mit der &#220;berschrift &#8220;SPD-Vize Kraft fordert gemeinn&#252;tzigen Einsatz von Hartz-IV-Empf&#228;ngern&#8221; suggerierte, die Kraft will Hartz-IV-Empf&#228;nger zum Stra&#223;e fegen verpflichten. Aber das stimmt so nicht. Der im Interview mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <a title="spiegel.de: CDU und Linke schimpfen &uuml;ber Krafts Hartz-IV-Vorsto&szlig;" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,682163,00.html">Aufregung</a> um Hannelore Krafts Vorschlag vom Wochenende hat sich gelegt, nachdem bemerkt worden ist, dass Frau Kraft nicht <a title="Westerwelle und der Lohnabstand" href="http://blog.tobias-haase.de/2010/03/01/westerwelle-und-der-lohnabstand/">den Westerwelle</a> macht.<br />
Den Anfang machte Spiegel Online, der mit der &Uuml;berschrift <a title="spiegel.de: SPD-Vize Kraft fordert gemeinn&uuml;tzigen Einsatz von Hartz-IV-Empf&auml;ngern" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,682124,00.html">&#8220;SPD-Vize Kraft fordert gemeinn&uuml;tzigen Einsatz von Hartz-IV-Empf&auml;ngern&#8221;</a> suggerierte, die Kraft will Hartz-IV-Empf&auml;nger zum Stra&szlig;e fegen <em>verpflichten</em>. Aber das <a title="blog.nrwspd.de: Hannelore Kraft: Arbeit schafft W&uuml;rde" href="http://blog.nrwspd.de/2010/03/08/hannelore-kraft-arbeit-schafft-wuerde/">stimmt so nicht</a>. Der im Interview mit dem &#8220;Spiegel&#8221; ge&auml;u&szlig;erte Vorschlag zielte darauf ab, nicht vermittelbaren Arbeitslosen ein Angebot einer Besch&auml;ftigung zu machen, damit diese nicht zu Hause rumsitzen. Daf&uuml;r solle ein &#8220;gemeinwohlorientierter Arbeitsmarkt&#8221; geschaffen werden, die Arbeitslosen bekommen einen &#8220;symbolischen&#8221; Lohn, aber die Besch&auml;ftigung ist &#8211; im Gegensatz zu den 1-Euro-Jobs &#8211; langfristig angelegt.</p>
<p>Nachdem das alles bekannt war, legte sich die Aufregung und damit leider auch die ganze Diskussion. Dabei ist das Gesagte es inhaltlich durchaus wert, diskutiert zu werden. Darin wird n&auml;mlich der Traum von der Vollbesch&auml;ftigung begraben bzw. es wird vorsichtig angedacht, wie mit der zahlenm&auml;&szlig;igen Diskrepanz zwischen vorhandenen Arbeitspl&auml;tzen und Arbeitskr&auml;ften umgegangen werden k&ouml;nnte. N&auml;mlich &uuml;ber einen &ouml;ffentlichen Besch&auml;ftigungsektor.</p>
<p>Dennoch sind Vorschl&auml;ge etwas unausgegoren bzw. in sich nicht schl&uuml;ssig. Frau Kraft will Menschen dort f&uuml;r einen symbolischen Betrag arbeiten lassen, wo andere regul&auml;r angestellt sind. Also einerseits fegen die Leute von der Stadtreinigung die Stra&szlig;e und daneben stehen die &#8220;ehrenamtlichen&#8221; Stra&szlig;enfeger. Oder im Altersheim sitzen die angestellten Buchvorleser neben den &#8220;ehrenamtlichen&#8221; Buchvorlesern. Wie soll das funktionieren? Warum dann nicht die Sache zu Ende denken und den &ouml;ffentlichen Besch&auml;ftungssektor ausweiten? Arbeit ist ja genug da, nur sind das h&auml;ufig keine marktf&auml;higen Jobs.</p>
<p>Oder man will das wirklich &uuml;ber die ehrenamtliche Schiene machen. Dann muss man die Menschen &#8211; alle, nicht nur die Arbeitslosen! &#8211; in die Lage versetzen, sich aus freien St&uuml;cken zwischen der klassischen Erwerbsarbeit und dem nebenbei-ein-bisschen-was-tun-Ehrenamt zu entscheiden. Das geht nur &uuml;ber ein entsprechend hohes bedingsloses Grundeinkommen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.tobias-haase.de/2010/03/12/frau-kraft-und-der-gemeinwohlorientierte-arbeitsmarkt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Vorratsdatenspeicherung ist nicht grunds&#228;tzlich verfassungswidrig</title>
		<link>http://blog.tobias-haase.de/2010/03/03/vorratsdatenspeicherung-ist-nicht-grundsaetzlich-verfassungswidrig/</link>
		<comments>http://blog.tobias-haase.de/2010/03/03/vorratsdatenspeicherung-ist-nicht-grundsaetzlich-verfassungswidrig/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 23:47:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias</dc:creator>
				<category><![CDATA[netzkulturelles]]></category>
		<category><![CDATA[politisches]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.tobias-haase.de/?p=555</guid>
		<description><![CDATA[Man merkt es schon an der &#220;berschrift: ich bin nicht begeistert vom gestrigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung.
Die Pressemitteilung zum Urteil tr&#228;gt den Titel &#8220;Konkrete Ausgestaltung der Vorratsdatenspeicherung nicht verfassungsgem&#228;&#223;&#8221;. Und genau deshalb bin ich wenig begeistert. Das Gesetz ist so wie es jetzt ist, verfassungswidrig, nichtig, und alle aufgrund dieses Gesetzes gespeicherte Daten sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man merkt es schon an der &#220;berschrift: ich bin nicht begeistert vom gestrigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung.</p>
<p>Die <a title="Die Pressemitteilung zum Urteil" href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg10-011.html">Pressemitteilung</a> zum <a title="Die Urteilsbegr&#252;ndung" href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20100302_1bvr025608.htm">Urteil</a> tr&#228;gt den Titel &#8220;Konkrete Ausgestaltung der Vorratsdatenspeicherung nicht verfassungsgem&#228;&#223;&#8221;. Und genau deshalb bin ich wenig begeistert. Das Gesetz ist so <em>wie es jetzt ist</em>, verfassungswidrig, nichtig, und alle aufgrund dieses Gesetzes gespeicherte Daten sind sofort zu l&#246;schen. Aber <em>grunds&#228;tzlich</em> ist die anlasslose Speicherung aller Verbindungsdaten &#252;ber einen Zeitraum von 6 Monaten verfassungsgem&#228;&#223;.</p>
<p>Das BVerfG sagt mal wieder, dass in der Politik schlampig gearbeitet wurde, aber daran ist man inzwischen gew&#246;hnt. Es werden ja in letzter Zeit reihenweise Gesetze in Karlsruhe kassiert. Ein bisschen Feintuning hier, eine Konkretisierung dort, eine Einschr&#228;nkung da hinten und dann kann die neue Vorratsdatenspeicherung beginnen. Das eigentliche Ziel, n&#228;mlich das massenhafte Speichern von unvermeidbaren Spuren der Telekommunikation ohne konkreten Anlass oder gar Verdacht f&#252;r grundgesetzwidrig erkl&#228;ren zu lassen, wurde klar verfehlt.</p>
<p>F&#252;r die Abmahnindustrie fiel au&#223;erdem noch ein Leckerli ab: Zwar d&#252;rfen die Verbindungsdaten nur zu Abwehr schwerer Straftaten abgefragt und eingesetzt werden, f&#252;r die Abfrage der IP-Adressen gilt das aber nicht. Hier sind die H&#252;rden deutlich niedriger, sogar &#8220;gewichtige Ordnungswidrigkeiten&#8221; k&#246;nnen gen&#252;gen. Ein Richtervorbehalt ist auch nicht n&#246;tig. Die Musikindustrie <a title="musikindustrie.de: Urteil zur Vorratsdatenspeicherung erm&#246;glicht fairen Ausgleich zwischen Datenschutz und Interessen von Rechteinhabern" href="http://www.musikindustrie.de/aktuell_einzel/back/84/news/urteil-zur-vorratsdatenspeicherung-ermoeglicht-fairen-ausgleich-zwischen-datenschutz-und-interessen-v/">frohlockt dann auch bereits</a>.</p>
<p>Alles in allem also ein entt&#228;uschendes Urteil.</p>
<p>Empfehlenswertes zum Weiterlesen:<br />
<a title="spiegelfechter.com: Die Vorratsdatenspeicherung ist tot, es lebe die Vorratsdatenspeicherung" href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/2048/die-vorratsdatenspeicherung-ist-tot-es-lebe-die-vorratsdatenspeicherung">Der Spiegelfechter</a><br />
<a title="ferner-alsdorf.de: BVerfG zur Vorratsdatenspeicherung: Erste Anmerkungen" href="http://www.ferner-alsdorf.de/2010/03/bverfg-zu-vorratsdatenspeicherung-erste-anmerkungen-vds/">Rechtsanwalt Jens Ferner</a><br />
<a title="verfassungsblog.de: Vorratsdatenspeicherung: Kein Grund zum Jubeln" href="http://verfassungsblog.de/vorratsdatenspeicherung-kein-grund-zum-jubeln/">Jurist Max Steinbeis</a><br />
<a title="sueddeutsche.de: Gruslige Aussichten" href="http://www.sueddeutsche.de/politik/577/504786/text/">Heribert Prantl in der S&#252;ddeutschen Zeitung</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.tobias-haase.de/2010/03/03/vorratsdatenspeicherung-ist-nicht-grundsaetzlich-verfassungswidrig/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Westerwelle und der Lohnabstand</title>
		<link>http://blog.tobias-haase.de/2010/03/01/westerwelle-und-der-lohnabstand/</link>
		<comments>http://blog.tobias-haase.de/2010/03/01/westerwelle-und-der-lohnabstand/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 23:48:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias</dc:creator>
				<category><![CDATA[politisches]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.tobias-haase.de/2010/03/01/westerwelle-und-der-lohnabstand/</guid>
		<description><![CDATA[Ich wei&#223;, ich bin ein bisschen sp&#228;t dran mit einer Meinung zur Hartz-IV-Debatte und Westerwelles Gegeifer. Zu seinem Artikel in der &#8220;Welt&#8221; ist eigentlich alles gesagt. Nat&#252;rlich ist Sozialstaat kein &#8220;Sozialismus&#8221;, Hartz IV kein &#8220;Wohlstand&#8221; sondern eben nur Grundversorgung und sein Bild von der &#8220;sp&#228;tr&#246;mischen Dekadenz&#8221; ist schief bis zum gehtnichtmehr. Dekadenz ist dem Grunde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich wei&szlig;, ich bin ein bisschen sp&auml;t dran mit einer Meinung zur Hartz-IV-Debatte und Westerwelles Gegeifer. Zu seinem <a title="welt.de: An die deutsche Mittelschicht denkt niemand" href="http://www.welt.de/debatte/article6347490/An-die-deutsche-Mittelschicht-denkt-niemand.html">Artikel in der &#8220;Welt&#8221;</a> ist eigentlich alles gesagt. Nat&uuml;rlich ist Sozialstaat kein &#8220;Sozialismus&#8221;, Hartz IV kein &#8220;Wohlstand&#8221; sondern eben nur Grundversorgung und sein Bild von der &#8220;sp&auml;tr&ouml;mischen Dekadenz&#8221; ist <a title="spiegel.de: Er kam, sah und patzte" href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,677225,00.html">schief</a> bis zum gehtnichtmehr. Dekadenz ist dem Grunde nach ein Verhalten einer kleinen, abgehobenen Oberschicht.</p>
<p>Was aber in der Debatte in meinen Augen ein bisschen untergeht sind 2 Dinge: sinkende Reall&ouml;hne in den letzten Jahren und der Selbstbetrug Vollbesch&auml;ftigung.</p>
<p>Westerwelle hat in einem Punkt recht: wer arbeitet muss mehr verdienen als derjenige, der das nicht tut. Damit sagt er etwas sehr offensichtliches und spricht diese Wahrheit leider nicht sehr gelassen aus. Es geht dann immer um das sog. Lohnabstandsgebot. Man kann nun versuchen, diesen Lohnabstand wieder herzustellen, indem man Sozialleistungen k&uuml;rzt. Dann ist kurzfristig Arbeit wieder lohnender. Die Sache hat aber zwei Haken: einerseits kann man nicht beliebig k&uuml;rzen (sp&auml;testens nicht mehr seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts) und andererseits werden die L&ouml;hne weiter fallen, weil ja auch f&uuml;r weniger Geld immer noch Leute zu arbeiten bereit sind. Somit dreht sich die Spirale nur ein St&uuml;ck weiter nach unten und nach 1-2 Jahren h&auml;tten wir die gleiche Situation &#8211; nur eine Einkommensetage tiefer. &Uuml;ber eine Absenkung der Sozialleistungen bzw. Hartz IV kriegt man das Problem Lohnabstand also nicht in den Griff.</p>
<h4>Sinkende Reall&ouml;hne und Ausdehnung des Niedriglohnsektors</h4>
<p>Das Problem des fehlenden Lohnabstands ist aber kein Phantom, sondern Realit&auml;t und hat sich deshalb so versch&auml;rft, weil in den letzten Jahren politisch gewollt und forciert der Niedriglohnsektor ausgebaut wurde und Lohnsteigerungen als Teufelswerk verschrien waren (und immer noch sind). Und tats&auml;chlich sind die Reall&ouml;hne in den letzen Jahren entgegen der Tendenz in Europa in Deutschland <a title="spiegel.de: Deutschland schw&auml;chelt bei Entwicklung der Reall&ouml;hne" href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,579103,00.html">gesunken</a>. Noch schlimmer sieht das Bild aus, guckt man die Lohnentwicklung <a title="fr-online.de: L&ouml;hne st&uuml;rzen ab" href="http://fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?em_cnt=1583179&amp;">nach Einkommensgruppen gestaffelt an</a>: das untere Einkommensviertel &#8211; die Niedrigl&ouml;hner &#8211; haben zwischen 1995 und 2006 fast 14% verloren.<br />
Das kommt dabei raus, wenn man einen flexiblen Arbeitsmarkt mit einem Niedriglohnsektor schafft. Dann geht er dahin, der Lohnabstand. Dass nun ausgerechnet Westerwelle dieses Ergebnis einer Arbeitsmarktpolitik in seinem Sinne beweint <a title="carta.info: Niedriglohn und Flexibilisierung: Abbau der Mittelschicht &agrave; la FDP" href="http://carta.info/23135/westerwelle-lohnabstand-arbeitsmarktpolitik/">ist gaga</a>.</p>
<p>Und wer sich &uuml;ber jeden niedrigen Tarifabschluss freut, der gerademal einen Inflationsausgleich bringt, der soll andererseits nicht fordern, dass sich Arbeit wieder lohnen muss. Das Gejammere &uuml;ber Lohnerh&ouml;hungen ist dabei immer gleich gro&szlig;, egal ob es wirtschaftlich l&auml;uft oder nicht, Lohnzur&uuml;ckhaltung war das Mantra der letzten Jahre. Geht es nach den Arbeitgebern und den medial pr&auml;senten Wirtschaftwissenschaftlern, ist es nie eine gute Zeit f&uuml;r h&ouml;here L&ouml;hne: erst darf das zarte Pfl&auml;nzchen Aufschwung nicht zertrampelt werden, dann will man den Aufschwung nicht abw&uuml;rgen, dann kommt schon wieder der Abschwung, wo es nun &uuml;berhaupt nicht geht. So geht das nun schon ein paar Jahre.</p>
<h4>Millionen fehlender Arbeitspl&auml;tze</h4>
<p>Die n&auml;chste Sache: Hartz IV mit seinen ganzen Sanktionen geht eigentlich davon aus, dass f&uuml;r jeden eine bezahlte Arbeit auf dem Arbeitsmarkt vorhanden ist. Und auch in der ganzen Debatte gehen wir stillschweigend davon aus, dass dem so ist. Das ist nat&uuml;rlich gro&szlig;er Quatsch.<br />
Wir liegen <a title="arbeitsagentur.de: Arbeitsmarkt im Februar 2010" href="http://www.arbeitsagentur.de/nn_27030/zentraler-Content/Pressemeldungen/2010/Presse-10-011.html">im Moment</a> bei etwa 3,5 Mio. offiziellen Arbeitslosen und etwa 270.000 gemeldeten offenen Stellen. Viele Stellen werden nicht der Bundesagentur gemeldet und so d&uuml;rfte <a title="arbeitsagentur.de: Arbeitskr&auml;ftenachfrage Februar 2010" href="http://www.pub.arbeitsagentur.de/hst/services/statistik/000100/html/sonder/stellenangebot_deutschland/bericht_februar_2010_ba_bekannte_stellen.pdf">die tats&auml;chliche Zahl</a> (PDF)irgendwo bei einer halben Million liegen. Schon mit diesen Zahlen ergibt sich dann eine Diskrepanz zwischen Soll und Haben von 3 Millionen. Sieht man dann noch, wieviele Menschen aber <a title="faz.net: 3,2 Millionen Arbeitslose gelten nicht als arbeitslos" href="http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~E4CD6FB4CCAF94A538C5855380AA83774~ATpl~Ecommon~Scontent.html">tats&auml;chlich</a> <a title="sueddeutsche.de: Jenseits der F&uuml;nf-Millionen-Marke" href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/895/433644/text/">arbeitslos</a> bzw. arbeitssuchend sind, verdoppelt sich die Differenz schnell mal auf 6 Mio. Insofern lenkt das Rumgehacke auf den Arbeitslosen vom eigentlichen Problem ab: nicht die paar tausend Arbeitsunwilligen sind das Problem, sondern die Millionen fehlenden Arbeitspl&auml;tze.<br />
Diese Millionen Arbeitslosen dr&uuml;cken das Lohnniveau, weil sich somit immer Leute finden lassen, die f&uuml;r niedrige L&ouml;hne arbeiten (m&uuml;ssen) und die Sanktionsmechanismen von Hartz IV sorgen daf&uuml;r, dass man diese Lohndr&uuml;ckerei mitmachen muss.</p>
<p>Wie k&ouml;nnte eine L&ouml;sung aussehen? Einerseits hat der <a title="freitag.de: Ein Gebot des Abstands" href="http://www.freitag.de/politik/1008-hartz-westerwelle-leistung-hartz-mindestlohn-abstandsgebot">Mindestlohn</a> seinen Reiz und w&auml;re schnell per Gesetz umzusetzen. <a title="tagesschau.de: DGB schraubt Mindestlohn-Ziel auf 8,50 Euro hoch" href="http://www.tagesschau.de/wirtschaft/dgb156.html">8,50 &euro; pro Stunde</a>, also etwa 1400 &euro; brutto im Monat, w&auml;ren f&uuml;r viele im Niedriglohnsektor eine schnelle und effektive Lohnsteigerung.<br />
Andererseits hat ein bedingungsloses Grundeinkommen ganzheitlich gesehen den gr&ouml;&szlig;eren Reiz. Der n&ouml;tige Lohnabstand w&uuml;rde sich dann <a title="weissgarnix.de: Theorie vom fehlenden Arbeitsanreiz macht keinen Sinn" href="http://www.weissgarnix.de/2010/02/06/theorie-vom-fehlenden-arbeitsanreiz-macht-keinen-sinn/">automatisch einstellen</a>, weil ein echter Arbeitsmarkt entstehen w&uuml;rde: die potentiellen Arbeitnehmer h&auml;tten n&auml;mlich die reale M&ouml;glichkeit, niedrigbezahlte Arbeit abzulehnen. Damit h&auml;tten die Arbeitnehmer eine Marktmacht. Muss die Arbeit trotzdem gemacht werden, m&uuml;ssen die L&ouml;hne entsprechend h&ouml;her sein als das Grundeinkommen. Ein erh&ouml;hter Hartz IV-Satz ohne Sanktionen w&auml;re ein ziemlich einfach umzusetzendes Grundeinkommen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.tobias-haase.de/2010/03/01/westerwelle-und-der-lohnabstand/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Tanklasterbombardierung in Afghanistan: Es war eine gezielte T&#246;tung</title>
		<link>http://blog.tobias-haase.de/2009/12/14/tanklasterbombardierung-in-afghanistan-es-war-eine-gezielte-toetung/</link>
		<comments>http://blog.tobias-haase.de/2009/12/14/tanklasterbombardierung-in-afghanistan-es-war-eine-gezielte-toetung/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Dec 2009 22:25:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias</dc:creator>
				<category><![CDATA[politisches]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.tobias-haase.de/?p=549</guid>
		<description><![CDATA[Vor gut einer Woche hatte ich noch gemutma&#223;t, dass es bei dem Tanklasterangriff nahe Kunduz in Afghanistan nicht um die Zerst&#246;rung der festsitzenden LKW ging, sondern dass es f&#252;r mich nach gezielter T&#246;tung der Menschen vor Ort aussah.
Seit Samstag herrscht dar&#252;ber Gewissheit. Im ComISAF-Bericht (Bericht des Oberkommandierenden der ISAF-Truppe McChrystal) steht das so drin und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor gut einer Woche <a title="Tanklasterbombardierung durch die Bundeswehr: Zwei L&#252;gen f&#252;r ein Halleluja" href="http://blog.tobias-haase.de/2009/12/05/tanklasterbombardierung-durch-die-bundeswehr-zwei-luegen-fuer-ein-halleluja/">hatte ich noch gemutma&#223;t</a>, dass es bei dem Tanklasterangriff nahe Kunduz in Afghanistan nicht um die Zerst&#246;rung der festsitzenden LKW ging, sondern dass es f&#252;r mich nach gezielter T&#246;tung der Menschen vor Ort aussah.<br />
Seit Samstag herrscht dar&#252;ber Gewissheit. Im ComISAF-Bericht (Bericht des Oberkommandierenden der ISAF-Truppe McChrystal) <a title="sueddeutsche.de: Bundeswehr wollte Taliban t&#246;ten" href="http://www.sueddeutsche.de/politik/61/497367/text/">steht das</a> <a title="sueddeutsche.de: Er hat die Menschen als Ziel, nicht die Fahrzeuge" href="http://www.sueddeutsche.de/politik/88/497394/text/">so drin</a> und auch <a title="spiegel.de: Oberst Klein wollte Feinde des Wiederaufbaus treffen" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,666677,00.html">in einer Meldung des deutschen Oberst Klein</a> (vom 6. September!) an den damaligen GI Schneiderhan beschreibt er das so:</p>
<blockquote><p>Am 4. September um 01.51 Uhr entschloss ich mich, zwei am Abend des 3. September entf&#252;hrte Tanklastwagen sowie an den Fahrzeugen befindliche INS (Insurgents, auf Deutsch: Aufst&#228;ndische) durch den Einsatz von Luftstreitkr&#228;ften zu vernichten.</p></blockquote>
<p>M&#246;chte man <a title="lvz.de: Neue Hinweise auf regierungsintern genehmigte T&#246;tungsaktion im Fall Kundus" href="http://nachrichten.lvz-online.de/nachrichten/topthema/neue-hinweise-auf-regierungsintern-genehmigte-toetungsaktion-im-fall-kundus/r-topthema-a-5745.html">der Leipziger Volkszeitung glauben</a>, dann war der n&#228;chtliche Angriff kein spontaner Einfall von Oberst Klein, sondern vielmehr das Ergebnis einer Eskalationsstrategie, zu der eben auch die gezielte T&#246;tung von Taliban geh&#246;ren sollte. Kanzleramt, Verteidigungsministerium und BND haben diese Strategie ausgearbeitet und abgesegnet.</p>
<p>Wow.<br />
Im Grunde lie&#223; ja der Ablauf in der entsprechenden Nacht auch keinen anderen Schluss zu, als dass die Bundeswehr gezielt Afghanen t&#246;ten wollte. Aber wenn ich das nun so schwarz auf wei&#223; lese &#8211; nennt mich naiv, aber bisher dachte ich, die Bundeswehr h&#228;lt sich aus sowas raus. Dieser Luftschlag passt auch nicht ins Bild einer &#8220;Aufbaumission&#8221;.</p>
<p>Damit bekommt diese Nacht vom 3. auf den 4. September eine ganz neue Dimension. Bisher hie&#223; es ja, die Get&#246;teten seien halt bedauerlicherweise Opfer des Angriffs geworden, weil man die Tanklaster zerst&#246;ren wollte, die zu rollenden Bomben umfunktioniert werden sollten. Jetzt wird aber klar, dass der Angriff Teil einer neuen, h&#228;rteren Gangart ist, dass die Exekution der Menschen <em>Absicht</em> war.<br />
Vor diesem Hintergrund werden auch die Handlungen von Oberst Klein zumindest milit&#228;risch nachvollziehbar. Ihm blieb in der Nacht gar nichts anderes &#252;brig, als den <em>close air support</em> <a title="Tanklasterbombardierung durch die Bundeswehr: Zwei L&#252;gen f&#252;r ein Halleluja" href="http://blog.tobias-haase.de/2009/12/05/tanklasterbombardierung-durch-die-bundeswehr-zwei-luegen-fuer-ein-halleluja/">anzul&#252;gen</a>, es bestehe Feindkontakt und es g&#228;be eine unmittelbare Bedrohung. Die Bundeswehr hat nur Sch&#252;tzenpanzer und Tornadoaufkl&#228;rer vor Ort, hat also f&#252;r solche Art von Luftschlag gar nicht Ausr&#252;stung in Afghanistan.</p>
<p>Immer interessanter wird jetzt die Frage &#8220;Wer wusste wann was?&#8221;. Durch den Bericht von Klein vom 6. September, sp&#228;testens aber seit dem ComISAF-Bericht vom 28. Oktober der Bundesregierung klar, was bzw. eben wer das Ziel des Angriff war: eine Gruppe Taliban, darunter offenbar 4 Anf&#252;hrer. Die Bundesregierung wusste das (oder zumindest: musste das wissen), hat aber weiterhin die Darstellung aufrecht erhalten, nach der die Tanklaster das Ziel waren. &#220;berrascht d&#252;rfte in der Regierung eh niemand gewesen sein, wenn die Sache mit der Eskalationsstrategie stimmt.<br />
Interessantes Detail am Rande: <a title="news-adhoc.com: Guttenberg gew&#228;hrt Fraktionen Einsicht in NATO-Bericht" href="http://www.news-adhoc.com/guttenberg-gewaehrt-fraktionen-einsicht-in-nato-bericht-idna2009103061843/">die Fraktionsvorsitzenden hatten seit November Einsicht in den ComISAF-Bericht</a>. &#220;berrascht &#252;ber die jetzt bekannt gewordenen Details &#252;ber die wahre Absicht des Bombardements d&#252;rfte man auch dort nicht sein.</p>
<p>Mal gucken, ob der Untersuchungsausschuss Licht ins Dunkel bringen kann und ob sich insbesondere die Eskalationsstrategie beweisen l&#228;sst. Sp&#228;testens dann w&#228;re eine Debatte n&#246;tig, was die Bundeswehr in Afghanistan tun soll (k&#228;mpfen vs. aufbauen) und was die Bundesrepublik dort eigentlich will. Wollen wir dort mit allen Mitteln des Krieges Taliban jagen oder wollen wir wirklich Aufbauhilfe leisten? Sind pr&#228;ventive Luftschl&#228;ge ok, auch wenn keine konkrete Gefahr besteht sondern nur irgendwann mal von diesen Menschen ausgehen <em>k&#246;nnte</em>?<br />
Was wusste eigentlich Kanzlerin Merkel? Ich kann mir nicht vorstellen, dass 140 Menschen in Afghanistan sterben und Frau Merkel geht zur Tagesordnung &#252;ber. Und was wusste der damalige Au&#223;enminister Steinmeier? Das Ausw&#228;rtige Amt ist formal federf&#252;hrend bei Auslandsmandaten.</p>
<p>Das andere m&#246;gliche Ergebnis des Untersuchungsausschusses: man tut seitens der Bundesregierung den Luftschlag als &#220;berreaktion von Oberst Klein ab und bem&#252;ht sich weiter um die Aufrechterhaltung des Bildes der Bundeswehr als bewaffnetes THW.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.tobias-haase.de/2009/12/14/tanklasterbombardierung-in-afghanistan-es-war-eine-gezielte-toetung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Tanklasterbombardierung durch die Bundeswehr: Zwei L&#252;gen f&#252;r ein Halleluja</title>
		<link>http://blog.tobias-haase.de/2009/12/05/tanklasterbombardierung-durch-die-bundeswehr-zwei-luegen-fuer-ein-halleluja/</link>
		<comments>http://blog.tobias-haase.de/2009/12/05/tanklasterbombardierung-durch-die-bundeswehr-zwei-luegen-fuer-ein-halleluja/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 05 Dec 2009 18:14:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias</dc:creator>
				<category><![CDATA[merkwürdiges]]></category>
		<category><![CDATA[politisches]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.tobias-haase.de/?p=547</guid>
		<description><![CDATA[Verteidigungsminister Guttenberg hat den Tanklasterangriff in Afghanistan als &#8220;milit&#228;risch nicht angemessen&#8221; beurteilt. Den Mut, (s)eine Fehleinsch&#228;tzung zu revidieren, muss man anerkennen. Au&#223;erdem hat Guttenberg diese Neubewertung auch dort verk&#252;ndet, wo sie hingeh&#246;rt: im Bundestag (nicht vor der Presse oder in einem Interview oder in einen Hinterzimmergespr&#228;ch).
Aaaber: die Neubewertung ist letztlich nur ein Ausprechen des Offensichtlichen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Verteidigungsminister Guttenberg hat den <a title="Bundeswehr l&#228;sst in Afghanistan Tanklaster bombardieren" href="http://blog.tobias-haase.de/2009/09/08/bundeswehr-laesst-in-afghanistan-tanklaster-bombardieren/">Tanklasterangriff</a> <a title="Alles ok beim Tanklasterbombing in Afghanistan?" href="http://blog.tobias-haase.de/2009/10/30/alles-ok-beim-tanklasterbombing-in-afghanistan/">in Afghanistan</a> als &#8220;milit&#228;risch nicht angemessen&#8221; beurteilt. Den Mut, (s)eine Fehleinsch&#228;tzung zu revidieren, muss man anerkennen. Au&#223;erdem hat Guttenberg diese Neubewertung auch dort verk&#252;ndet, wo sie hingeh&#246;rt: <a title="wiegold.focus.de: (Video-)Dokumentation: Guttenbergs Neubewertung des Kundus-Angriffs" href="http://wiegold.focus.de/augen_geradeaus/2009/12/videodokumentation-guttenbergs-neubewertung-des-kundusangriffs.html">im Bundestag</a> (nicht vor der Presse oder in einem Interview oder in einen Hinterzimmergespr&#228;ch).</p>
<p>Aaaber: die Neubewertung ist letztlich nur ein Ausprechen des Offensichtlichen. Guttenberg sagt zwar, er hat jetzt in Unterlagen gelesen, die ihm vorher vorenthalten worden sind und nach dem, was dort drin stand, stellt sich ihm der Vorgang anders dar als noch vor 4 Wochen. Das glaube ich nicht, das ist imho eine Schutzbehauptung, um die Kehrtwende begr&#252;nden bzw. erkl&#228;ren zu k&#246;nnen: die Tanklaster fuhren vom Bundeswehrst&#252;tzpunkt Kunduz weg, sa&#223;en dann im Flussbett fest, keine unmittelbare Gefahr f&#252;r die Bundeswehr, keine Soldaten verwickelt, zivile Opfer nicht auszuschlie&#223;en. Dies alles spricht nach ISAF-Regeln gegen einen Luftschlag und trotzdem wurde er angeordnet. &#8220;Mit Kanonen auf Spatzen schie&#223;en&#8221; fiele mir dabei als Bewertung ein &#8211; aber sicher nicht &#8220;milit&#228;risch angemessen&#8221;.</p>
<p>Guttenberg stellt sich mit dieser Neubewertung gegen seinen Amtsvorg&#228;nger und gegen die Bundeswehrf&#252;hrung: Jung und Generalinspekteur (GI) Schneiderhan hatten den Milit&#228;rschlag als angemessen bezeichnet. Diese Diskrepanz zwischen GI Schneiderhan und Guttenberg ist meiner Meinung nach der eigentliche Grund f&#252;r <a title="spiegel.de: Bundeswehr-Generalinspekteur Schneiderhan tritt zur&#252;ck" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,663561,00.html">den Rausschmiss</a> des GI.</p>
<p>Jetzt kriegen wir endlich einen Untersuchungsausschuss. Dazu wird sich der Verteidigungsausschuss in einen solchen umwandeln. Nachteil daran: der Aussschuss tagt in der Regel geheim. Die Opposition will diese Regel zu einer Ausnahme machen &#8211; wie bei einem gew&#246;hnlichen parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Dieser Untersuchungsausschuss hat dann im wesentlichen 2 Fragen zu kl&#228;ren: was passierte in der Bombennacht und wer wusste hinterher wann von den Folgen.</p>
<h4>Zwei L&#252;gen und zwei Bomben</h4>
<p><a title="spiegel.de: Protokoll der Alptraumnacht von Kunduz" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,663681,00.html">Bei Spiegel Online</a> und <a title="heute.de: Afghanistan: Chronologie eines Luftschlages" href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/4/0,3672,7892516,00.html">beim ZDF</a> gibt es zwei ziemlich detailierte, teils aber widerspr&#252;chliche Protokolle der Bombennacht. Daraus wird deutlich, dass es keinen Zeitdruck f&#252;r den Bombeneinsatz gab, es war also keine Affekthandlung, in der schnell mal Fehler passieren. Zwischen der Nachricht, dass die Tanklaster auf der Sandbank festsitzen und dem Bombenabwurf liegen fast 4 Stunden, zwischen der visuellen Best&#228;tigung der festgefahrenen LKWs und dem Bombenfall immerhin noch fast 2 Stunden (nach ZDF-Information gab es die visuelle Best&#228;tigung sogar schon 2 Stunden fr&#252;her als bei SpOn).<br />
Dann wird von der Bundeswehr Luftunterst&#252;tzung angefordert und es wird offenbar best&#228;tigt, dass es Feindber&#252;hrung (<em>troops in contact</em>) g&#228;be &#8211; was eine glatte L&#252;ge ist, aber notwendige Voraussetzung f&#252;r die Nutzung des <em>close air support</em> in Afghanistan.<br />
Offenbar gab es Meinungsverschiedenheiten zwischen der deutschen Seite und den F16-Piloten &#252;ber Gr&#246;&#223;e und Menge der Bomben. Au&#223;erdem <a title="spiegel.de: US-Kampfpiloten warnten sch&#228;rfer vor Luftangriff als bisher bekannt" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,665331,00.html">empfahlen die US-amerikanischen Piloten f&#252;nfmal</a> ein sogenanntes <em>show of force</em> als niedrige Eskalationsstufe, also ein Dr&#252;berdonnern mit den Kampfjets in niedriger H&#246;he, als Warnung an die Leute am Boden und um diese damit zu verscheuchen. Das wurde von deutscher Seite abgelehnt. Kurz vor dem Bombenabwurf kommt noch die Frage nach der unmittelbaren Bedrohung. Auch die wird &#8211; wahrheitswidrig &#8211; von deutscher Seite bejaht. Dann fallen die Bomben.</p>
<p>Die Entscheidungsstrukturen in der Nacht sind offenbar <a title="haz.de: Die verh&#228;ngnisvolle Nacht von Kundus" href="http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Die-verhaengnisvolle-Nacht-von-Kundus">auch nicht ganz klar</a>. Bisher stellt sich das alles so dar, dass nur Oberst Klein und ein Oberfeldwebel den Einsatz befehligt haben, Vorgesetzte oder andere Stellen waren nicht involviert. So richtig glauben kann ich das nicht. Im Artikel der Hannoverschen Allgemeinen werden ja mal wieder die <a title="Wikipedia: Kommando Spezialkr&#228;fte" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kommando_Spezialkr%C3%A4fte">KSK</a> ins Gespr&#228;ch gebracht. Sind die involviert, tauchen die in Berichten nicht auf. Aber auch ohne die KSK kann ich mir eine fehlende R&#252;cksprache nicht vorstellen. Immerhin will man eine gro&#223;e Anzahl von Menschen t&#246;ten, Zeit genug f&#252;r Konsultationen war vorhanden, es bestand kein schneller Handlungsbedarf.</p>
<h4>Gezielte T&#246;tung?</h4>
<p>F&#252;r mich stellt sich das Szenario mittlerweile so dar, dass eine gro&#223;e Anzahl von Menschen get&#246;tet werden <em>sollte</em>. Zumindest aber hat man eine gro&#223;e Opferzahl billigend in Kauf genommen und nichts unternommen, um die Opferzahl zu verringern. Selbst wenn man seitens der Bundeswehr davon ausgegangen war, dass sich vor Ort &#8220;nur&#8221; Taliban befanden und man die gestrandeten Tanklaster als willkommenen <em>honeypot</em> gesehen hat, w&#228;re das eine neue Qualit&#228;t der Kriegsf&#252;hrung der Bundeswehr in Afghanistan. Dann m&#246;chte ich sehen, wie Guttenberg und Merkel vor dem Bundestag erkl&#228;ren, dass die gezielte T&#246;tung von Taliban jetzt zum Auftrag der Bundeswehr dazugeh&#246;ren.<br />
Wobei &#8220;gezielte T&#246;tung&#8221; eben bei solchen Luftschl&#228;gen Bl&#246;dsinn ist. Eine Bombe unterscheidet nicht zwischen Taliban, freiwilligen Taliban-Anh&#228;ngern, gezwungenen Taliban-Anh&#228;ngern und einfachen Zivilisten. Es macht einfach nur Wumms und 140 Menschen sind tot.<br />
Seltsam auch, dass nach der Bombardierung keiner nachguckte, was los ist und zum Ort des Geschehens fuhr. Erst gegen Mittag war die Bundeswehr vor Ort &#8211; als viele Spuren schon beseitigt waren.</p>
<h4>Wer wusste wann was?</h4>
<p>Und damit komme ich zur zweiten Frage, die der Untersuchungsausschuss zu kl&#228;ren hat: Wer wusste wann was. Es hie&#223; ja hinterher, es seien keine Zivilisten zu Schaden gekommen, auch GI Schneiderhan hat das behauptet. Dabei gab es <a title="bild.de: Hat Minister Jung die Wahrheit verschwiegen?" href="http://www.bild.de/BILD/politik/2009/11/26/bomben-video-kunduz-in-afghanistan/verschwieg-minister-jung-die-wahrheit-ueber-die_20bombardierung.html">den Bericht der Feldj&#228;ger und andere Berichte</a>, die ziemlich deutlich machen, dass es sehr wahrscheinlich zivile Opfer gab. Wurden diese Berichte wirklich dem damaligen Verteidigungminister Jung vorenthalten? Kam das entsprechende Refererat im Kanzleramt <a title="ksta.de: Luftangriff nicht angemessen" href="http://ksta.de/html/artikel/1256137089840.shtml">schon fr&#252;h zum offensichtlichen Entschluss</a>, dass der Bundeswehroberst nicht angemessen gehandelt hat? Das Dementi folgte zwar <a title="spiegel.de: Kanzleramt dementiert Luftangriff-Bewertung vor der Wahl" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,664295,00.html">prompt</a>, aber wie glaubhaft ist das? Oder wie es ein Journalist in der Pressekonferenz <a title="wiegold.focus.de: Und weiter geht's: Bundespressekonferenz am 30. November" href="http://wiegold.focus.de/augen_geradeaus/2009/11/und-weiter-gehts-bundespressekonferenz-am-30-november-.html">formulierte</a>:</p>
<blockquote><p>Da wird die Bundeswehr sozusagen in den schwerwiegendsten Konflikt verwickelt, den sie seit ihrer Gr&#252;ndung zu bestehen hatte, es liegt auf der Hand, dass vermutlich sogar Kinder von der Bundeswehr get&#246;tet worden sind, und dann interessiert sich im Bundeskanzleramt &#8211; ich sage es einmal grob &#8211; kein Schwein daf&#252;r, was eigentlich dahinter steckt.</p></blockquote>
<p>Das &#8220;Wer wusste Wann Was&#8221; ist zwar f&#252;r die Presse interessanter, weil es dabei um Personen geht und vielleicht wird auch noch der ein oder andere Kopf rollen, aber das eigentlich wichtige des Untersuchungsausschusses ist meiner Meinung nach die Frage: Wie konnte es zu diesem Bombardement kommen? Wer hat das entschieden auf der Basis welcher Fakten und mit welcher Absicht?</p>
<p>Was mich auch wundert: Warum kommen die vielen Berichte und Recherchen in der Presse erst jetzt? Der Tanklasterangriff war am 3. September, also vor 3 Monaten. Der Spiegel stellt <a title="spiegel.de: Ein Angriff, eine Aff&#228;re und viele brisante Fragen" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,664374,00.html">zwar die richtigen Fragen</a>, aber warum erst jetzt? Warum nicht schon vor der Bundestagswahl? Gab es eine Bei&#223;hemmung, um das Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten?</p>
<p>Wir werden sehen, was der Untersuchungsausschuss zu Tage f&#246;rdert &#8211; und was davon an die &#214;ffentlichkeit gelangt. Bisher kam ziemlich viel ans Licht und daf&#252;r, dass es am Anfang hie&#223;, alles sei supi gelaufen, sind ziemlich viele K&#246;pfe gerollt.</p>
<p>[F&#252;r das ganze Bild: eine Linkliste mit Originalquellen gibt es <a title="wiegold.focus.de: Der Kundus-Luftangriff: Link-Liste" href="http://wiegold.focus.de/augen_geradeaus/2009/11/der-kundusluftangriff-linkliste-ii.html">bei "Augen geradeaus!"</a>]</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.tobias-haase.de/2009/12/05/tanklasterbombardierung-durch-die-bundeswehr-zwei-luegen-fuer-ein-halleluja/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Petition f&#252;r Open Access</title>
		<link>http://blog.tobias-haase.de/2009/11/11/petition-fuer-open-access/</link>
		<comments>http://blog.tobias-haase.de/2009/11/11/petition-fuer-open-access/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 20:36:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias</dc:creator>
				<category><![CDATA[netzkulturelles]]></category>
		<category><![CDATA[politisches]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.tobias-haase.de/2009/11/11/petition-fr-open-access/</guid>
		<description><![CDATA[Lars Fischer hat eine Petition gestartet, in der gefordert wird, dass &#246;ffentlich finanzierte Forschung allen B&#252;rgern kostenlos zug&#228;nglich gemacht wird. Lars erkl&#228;rt in einem Blogeintrag die Petition auch noch mal n&#228;her. Zahlreiche Wissenschaftsorganisationen sind ebenfalls daf&#252;r.
Also: durchlesen und bei Zustimmung mitunterzeichnen.
Sinn der Petition ist es, dass wissenschaftliche Artikel auch frei verf&#252;gbar sein m&#252;ssen, wenn die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Das Blog von Lars Fischer" href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/fischblog">Lars Fischer</a> hat eine <a title="Die Petition f&#252;r Open Access" href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=7922">Petition</a> gestartet, in der gefordert wird, dass &#246;ffentlich finanzierte Forschung allen B&#252;rgern kostenlos zug&#228;nglich gemacht wird. Lars <a title="Fischblog: Kurz zu meiner ePetition Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen" href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/fischblog/allgemein/2009-11-11/kurz-zu-meiner-epetition-kostenloser-erwerb-wissenschaftlicher-publikationen">erkl&#228;rt in einem Blogeintrag</a> die Petition auch noch mal n&#228;her. <a title="Pressemitteilung des Aktionsb&#252;ndnis Urheberrecht f&#252;r Bildung und Wissenschaft" href="http://www.urheberrechtsbuendnis.de/pressemitteilung1209.html.de">Zahlreiche Wissenschaftsorganisationen</a> sind ebenfalls daf&#252;r.<br />
Also: durchlesen und bei Zustimmung mitunterzeichnen.</p>
<p>Sinn der Petition ist es, dass wissenschaftliche Artikel auch frei verf&#252;gbar sein m&#252;ssen, wenn die Forschung dahinter mit &#246;ffentlichen Gelder (was zum allerallergr&#246;&#223;ten Teil der Fall ist) bezahlt worden ist. Im Normalfall ist es n&#228;mlich so, dass wissenschaftliche Aufs&#228;tze (sog. &#8220;Paper&#8221;) in Fachzeitschriften publiziert werden. Der Zugang zu diesen Zeitschriften ist h&#228;ufig nur gegen saftige Abogeb&#252;hren m&#246;glich (oder gegen hohe Geb&#252;hren f&#252;r einen einzigen Artikel). Wer keinen Zugang &#252;ber die Uni oder eine Bibliothek hat, guckt in die R&#246;hre. Das soll sich &#228;ndern, indem alle Paper auch auf einem sinnigerweise zentralen Server frei zug&#228;nglich gemacht werden &#8211; f&#252;r jeden Interessierten.</p>
<p>Der beste Weg w&#228;re es nat&#252;rlich, wenn alle Zeitschriften nur noch nach dem Open-Access-Modell funktionieren w&#252;rden. Dahin ist es aber ein weiter Weg, weil Wissenschaftsverlage pr&#228;chtig am bisherigen Prinzip verdienen. Wissenschaftler suchen sich f&#252;r ihre Publikationen das Journal mit dem h&#246;chsten Ansehen (&#8221;Impact Factor&#8221;) aus, das jeweilige Access-Modell spielt dabei meist keine Rolle.<br />
Das zu &#228;ndern ist aber langer Prozess, der aber schon begonnen hat. Das aber nur zur Information, das ist nicht Bestandteil der Petition.</p>
<p>Open Access sollte in einer Wissensgesellschaft eine Selbstverst&#228;ndlichkeit sein &#8211; erst recht, wenn die Forschung von der Gesellschaft auch bezahlt wird.</p>
<p>[via: <a title="jensscholz.com: Petition: Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen" href="http://www.jensscholz.com/2009/11/petition-kostenloser-erwerb.htm">Jens Scholz</a> und <a title="heise.de: Wissenschaftler setzen auf Bundestagspetition f&#252;r Open Access" href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Wissenschaftler-setzen-auf-Bundestagspetition-fuer-Open-Access-855655.html">heise online</a>]</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.tobias-haase.de/2009/11/11/petition-fuer-open-access/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Alles ok beim Tanklasterbombing in Afghanistan?</title>
		<link>http://blog.tobias-haase.de/2009/10/30/alles-ok-beim-tanklasterbombing-in-afghanistan/</link>
		<comments>http://blog.tobias-haase.de/2009/10/30/alles-ok-beim-tanklasterbombing-in-afghanistan/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 30 Oct 2009 22:35:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias</dc:creator>
				<category><![CDATA[politisches]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.tobias-haase.de/2009/10/30/alles-ok-beim-tanklasterbombing-in-afghanistan/</guid>
		<description><![CDATA[Vor knapp zwei Monaten lie&#223; die Bundeswehr ein paar geraubte und dann gestrandete Tanklastz&#252;ge in Afghanistan bombardieren.
Die NATO hat eine Untersuchung veranlasst. Der Bericht ist geheim und das Pressestatement vom deutschen Generalinspekteur Schneiderhan war mehr als d&#252;rftig und diente wohl mehr dazu den verantwortlichen Oberst zu sch&#252;tzen als Informationen zu liefern oder gar die Sachlage [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Bundeswehr l&#228;sst in Afghanistan Tanklaster bombardieren" href="http://blog.tobias-haase.de/2009/09/08/bundeswehr-laesst-in-afghanistan-tanklaster-bombardieren/">Vor knapp zwei Monaten</a> lie&#223; die Bundeswehr ein paar geraubte und dann gestrandete Tanklastz&#252;ge in Afghanistan bombardieren.</p>
<p>Die NATO hat eine Untersuchung veranlasst. Der Bericht ist geheim und <a title="Bundesverteidigungsministerium: Pressestatement des Generalinspekteur zum COMISAF-Untersuchungsbericht" href="http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg/de/service/redenundinterviews/redenderinspekteure?yw_contentURL=/C1256F1200608B1B/W27XAHB8653INFODE/content.jsp">das Pressestatement vom deutschen Generalinspekteur Schneiderhan</a> war mehr als d&#252;rftig und diente wohl mehr dazu den verantwortlichen Oberst zu sch&#252;tzen als Informationen zu liefern oder gar die Sachlage aufzukl&#228;ren. Fakten zum konkreten Ablauf nennt Schneiderhan so gut wie gar nicht, stattdessen spricht er davon, dass man die Gesamtsituation (Angriffe auf die Bundeswehr, LKWs f&#252;r Attentate etc.) vor der Bombardierung nicht au&#223;er acht lassen darf. Mag alles richtig sein, erkl&#228;rt aber dieses konkrete Bombardement nicht. Es bleiben sehr <a title="wiegold.focus.de: Da spricht doch der Jurist" href="http://wiegold.focus.de/augen_geradeaus/2009/10/da-spricht-doch-der-jurist-.html">viele Fragen offen</a>.</p>
<p>Guckt man sich einmal diese <a title="spiegel.de: Tod im Flussbett" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bild-658126-15087.html">grafische Rekonstruktion der Ereignisse</a> vom Spiegel an, dann ist die Bombardierung einfach nicht nachvollziehbar. Die Tanklaster sind vom Bundeswehrst&#252;tzpunkt <em>weg</em> gefahren und sa&#223;en auf einer Sandbank im Fluss fest. Es ging keine unmittelbare Gefahr von den LKWs aus. Die <a title="spiegel.de: Bundeswehr wollte mit Luftangriff Selbstmordattentat verhindern" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,647081,00.html">damalige Behauptung der Bundeswehr</a>, es sollte ein Attentat auf das Bundeswehrlager in Kunduz verhindert werden, ist darum nicht haltbar.<br />
Schneiderhan wiederholt in seinem Statement diese Behauptung (er spricht nur noch von &#8220;einem gr&#246;&#223;eren geplanten Anschlag&#8221;) nicht, m&#246;chte aber &#8211; indem er diffus von der &#8220;milit&#228;rischen Gesamtlage in Kunduz&#8221; spricht &#8211; trotzdem den Eindruck erwecken, dass es genau um die Verhinderung eines solchen Attentats ging. Eine Erkl&#228;rung, warum die Tanklaster in die Luft gejagt werden mussten bzw. worden sind, bleibt Schneiderhan schuldig.</p>
<p>&#220;ber die get&#246;teten Zivilisten sagt Schneiderhan dann folgendes:</p>
<blockquote><p>Der NATO-Bericht f&#252;hrt lediglich an, dass lokale F&#252;hrer vor Ort von m&#246;glicherweise 30 – 40 toten und verletzten &#8211; wie es im Bericht hei&#223;t &#8211; „Civilians“ berichteten. Er best&#228;tigt damit nicht, dass durch den Luftschlag unbeteiligte Personen get&#246;tet wurden. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass es sich in der Nacht zum 4. September f&#252;r Oberst Klein so darstellte, dass keine Unbeteiligten vor Ort waren.</p></blockquote>
<p>Was f&#252;r eine eklige Haarspalterei. Nur weil die Zivilisten am Ort des Geschehens waren, waren es keine Unbeteiligten und somit zum Abschuss freigegeben? Vielleicht waren sie tats&#228;chlich dort, um den Laster aus dem Flussbett zu befreien, m&#246;glicherweise wurden sie dazu gezwungen oder sie haben sich Benzin abgezapft oder auch beides. Darf man diese Menschen deshalb einfach in die Luft jagen? Hatten die Menschen &#252;berhaupt die M&#246;glichkeit, sich rechtzeitig zu entfernen, wurden sie gewarnt (Tieffl&#252;ge, Warnsch&#252;sse o.&#228;.)?</p>
<p>Keine Erkl&#228;rung dazu von Schneiderhan. Die Bundeswehr vertuscht weiter und tut so, als sei alles supi nach Vorschrift verlaufen, die Opfer waren blo&#223; b&#246;se Taliban und die offenen Fragen werden ignoriert.</p>
<p><strong>Nachtrag (31.10.09):</strong> Der Spiegel hat offenbar <a title="spiegel.de: Nato-Bericht bescheinigt deutschem Oberst Fehlverhalten" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,658450,00.html">mehr Einblick in den Nato-Bericht erhalten</a>. Und danach lief eben nicht alles nach Vorschrift:</p>
<p style="padding-left: 30px;">Der Nato-Bericht &#252;ber den t&#246;dlichen Luftangriff auf zwei Tanklaster in Kunduz weist SPIEGEL-Informationen zufolge auf klare Fehler in der deutschen Operationsf&#252;hrung hin. Oberst Klein, Kommandeur des Wiederaufbauteams in Kunduz, habe sich nicht an das Standard-Einsatzverfahren, die sogenannten Standing Operation Procedures (SOP), gehalten.</p>
<p style="padding-left: 30px;">So habe er die Luftunterst&#252;tzung mit der Begr&#252;ndung angefordert, seine Truppen h&#228;tten Feindber&#252;hrung, obwohl sich keine Isaf-Soldaten in der N&#228;he der Tanker aufhielten. Er habe es abgelehnt, als niedrigere Eskalationsstufe die F-15-Jagdbomber zun&#228;chst im Tiefflug &#252;ber die Tanker fliegen zu lassen. Zudem sei es m&#246;glich, dass es angesichts der un&#252;bersichtlichen Lage nicht ausreichend war, sich auf eine einzige menschliche Quelle und die Live-Bilder der Luftunterst&#252;tzung zu verlassen.</p>
<p>Schneiderhans Versuch, seinen Oberst zu sch&#252;tzen in allen Ehren, aber hat er wirklich geglaubt, die Ergebnisse des Berichts kommen nicht ans Licht?</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.tobias-haase.de/2009/10/30/alles-ok-beim-tanklasterbombing-in-afghanistan/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
