Archiv der Kategorie: nachdenkliches

Die hungrige Fratze des Kapitalismus

Ich kann ja die Aufregung verstehen. Es ist eklig und zynisch, sich unter Renditegesichtspunkten über die steigenden Nahrungsmittelpreise zu freuen, wenn andererseits dadurch Menschen hungern – wenn nicht gar verhungern – müssen.
Auf der anderen Seite: funktioniert der Kapitalmarkt (der Kapitalismus?) nicht immer so? Ist nicht immer die Rendite des einen der Verlust des anderen? Führt nicht auch sonst die Suche nach mehr Rendite, über die sich jeder Lebensversicherungs- oder Riesterrentensparer freut, zu einer Gewinnmaximierungsstrategie der Unternehmen? Und wie maximiert man Gewinne am schnellsten? Indem man Leute rauswirft. Oder sie ausbeutet, sie unter schlechten und gefährlichen Bedingungen arbeiten lässt, zu Hungerlöhnen. Forciert wird das durch Investmentfirmen, denen wir unser Geld geben, damit unser Lebensabend finanziell sonniger aussieht. Geld arbeit nicht, Menschen müssen dafür arbeiten, dass wir Rendite erzielen.

Ich schließ‘ mich da selbst mit ein, ich habe eine Riesterrente, das Geld ist am Kapitalmarkt angelegt. Irgendwann wird vielleicht mal mein Erspartes dazu beitragen, dass meine Firma dazu gezwungen wird, Leute zu entlassen. Und vielleicht ist es auch mein Arbeitsplatz, der dann überflüssig ist.

Das es Alltag ist, macht die Sache an sich nicht besser. Und ich kann solche Aktionen wie die von attac verstehen. Nur verstehe ich die Aufregung in Renés Post und auch die aufgeregten Kommentare ihm nicht ganz. In einer Zeit, in der die stark gestiegenen Lebensmittelpreise zu Hungeraufständen führen, ist eine solche Werbekampagne und der ganze Fonds dahinter ganz sicher unglaublich geschmacklos und zynisch. Aber bei Lichte besehen ist – leider – business as usual.

Ablenkungsmanöver in Sachen Ölpreis

Angesichts der aktuellen Heulerei seitens der Parteien und Autofahrerverbände über den hohen Ölpreis könnte ich kotzen. Dass das Öl weniger wird, irgendwann sogar mal alle ist, ist bekannt. Dass in unserem Wirtschaftssystem, in dem die Preisfindung über Angebot und Nachfrage geschieht, der Preis fürs Öl damit tendenziell nur die Richtung nach oben kennt, sollte auch jedem klar sein. Insofern halte ich das aktuelle Gerufe nach Entlastungen für ein Ablenkungsmanöver.

Ablenken möchte man gerne von der Tatsache, dass trotz Kenntnis der obigen Punkte in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten kaum etwas unternommen wurde, um ernsthaft das Problem der Ölabhängigkeit in den Griff zu bekommen. Der Flottenverbrauch der Autos geht zwar leicht zurück, aber noch immer tuckern wir mit dem alten Konzept des Verbrennungsmotors rum. Wo bleibt der 3-Liter-Golf für den Übergang, warum ist der Hybridantrieb nicht längst gängig, wo bleibt die langfristige Alternative?
Befürworter von Windkraft- und Solaranlagen wurden noch bis vor wenigen Jahren als Ökospinner abgetan. Bei einem Barrelpreis von gut 20 Dollar ging das leichter über die Lippen als bei 120 Dollar.

Nach dem Ölpreisschock der 70er wusste man, wohin die Reise geht. Hätte man schon damals ein EEG gehabt, wäre der heutige Anteil an regenerativen Energien viel höher. Warum gibt es keine (steuerlichen) Anreize für spritsparende Autos? Warum wurde und wird der ÖPNV eher ausgedünnt als flächendeckend ausgebaut?

Hier wie dort versagte die Politik. Und von diesem Versagen möchte sie nun ablenken, indem sie kurzfristige Entlastung fordert.

Waterboarding als Highlight der Grundausbildung

Vor ein paar Tagen wurde das Verfahren um Bundeswehrausbilder und ihre seltsamen Methoden während der Grundausbildung abschließend verhandelt. Gegenstand der Anklage waren die simulierten Geiselnahmen, bei denen es zu folterähnlichen Handlungen kam: Fesslungen, schwache Stromströße (wirklich, der Richter hat es im Eigenversuch getestet!), Scheinhinrichtung, Waterboarding. Die (Unter-)Offiziere glaubten, damit die Grundausbildung praxisnäher gestalten zu können.
10 Soldaten saßen auf der Anklagebank, 4 Freisprüche, der Rest Bewährungsstrafen, für die beiden hauptangeklagten Unteroffiziere 22 Monate.

Erstaunlich an den Vorgängen sind zweierlei Dinge: Der Vorgesetzte hat bei den Misshandlungen zu geguckt und es somit gebilligt und die 80 praxisnah Ausgebildeten finden es großenteils „geil“ und keiner von denen geht sich beschweren (einer hinterher doch und daher ja das Gerichtsverfahren).

Ich dachte bisher, in der Bundeswehr wird während der Ausbildung sehr viel Wert darauf gelegt, dass alles mit rechten Dingen zugeht (von gelegentlichen und seltsamen Ritualen mal abgesehen). Und das mit gutem Grund: Denn wenn in der Ausbildung Wert darauf gelegt wird, dass es sowas wie Menschenwürde gibt und wer nach diesen Grundsätzen ausgebildet worden ist, der wird die Menschenwürde als was selbstverständliches ansehen und sie auch gegenüber Menschen in Einsatzgebieten walten lassen. So ein Soldat geht einfach mit den Menschen vor Ort in den Einsatzgebieten anders um, als ein misshandelter Soldat, in dessen Ausbildung ethische und moralische Grenzen auch mal ebenso übergangen worden sind.

Wo bleibt der „Staatsbürger in Uniform“, wenn sich von den 80 Rekruten keiner über solche Methoden aufregt, beim Bundeswehrbeauftragten beschwert und wenn der Vorgesetzte sich das Ganze auch noch anguckt? Keiner von denen denkt mal einen Moment nach, was da eigentlich passiert?
Eine Verrohung der Ausbildung und der Soldaten kann nicht gut sein, denn das Kampfschwein an der Front steht doch im Widerspruch zu den realen Erfordernissen vor Ort, siehe Afghanistan oder Irak. Und was verrohte und zum Trennen von Recht und Unrecht unfähige Soldaten anstellen können, konnte man zuletzt an Abu Ghraib sehen.

Und noch eins hat mich gewundert: das schwache Echo auf die Schweinereien in der Presse und in Blogs. Anders als nach den Schädelfotos aus Afghanistan.
Ich will das Thema auch nicht zu sehr aufblasen, ich will auch gar nichts verallgemeinern. Ein bisschen verwundert bin ich aber doch, dass von den insgesamt fast hundert Beteiligten es alle offenbar in Ordnung fanden, wenn Menschen gewaltsam Wasser in den Mund gepumpt wird und diesen Teil der Ausbildung entweder „geil“ oder als „Highlight“ empfanden.

jetzt.de schreibt ziemlich ausführlich über die Vorgänge und die beteiligten Personen.

Onlinedurchsuchung und das neue Computergrundrecht

Ich möchte mir ja nicht vorwerfen lassen, ich würde über das für nichtig befundene Gesetz zur Onlinedurchsuchung nichts schreiben. Ja, das ist war ein wichtiges Urteil gegen staatliche Überwachungswut. Dieses Urteil hat uns außerdem noch eine neues Grundrecht gebracht: Das „Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme“.

Ich bin allerdings skeptisch. Die (heimliche) Onlinedurchsuchung ist weiterhin in bestimmten Fällen erlaubt. Es sind aber immerhin hohe Hürden zu überspringen. In den Leitsätzen zum Urteil liest sich das dann so:

2. Die heimliche Infiltration eines informationstechnischen Systems, mittels derer die Nutzung des Systems überwacht und seine Speichermedien ausgelesen werden können, ist verfassungsrechtlich nur zulässig, wenn tatsächliche Anhaltspunkte einer konkreten Gefahr für ein überragend wichtiges Rechtsgut bestehen. Überragend wichtig sind Leib, Leben und Freiheit der Person oder solche Güter der Allgemeinheit, deren Bedrohung die Grundlagen oder den Bestand des Staates oder die Grundlagen der Existenz der Menschen berührt. Die Maßnahme kann schon dann gerechtfertigt sein, wenn sich noch nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit feststellen lässt, dass die Gefahr in näherer Zukunft eintritt, sofern bestimmte Tatsachen auf eine im Einzelfall durch bestimmte Personen drohende Gefahr für das überragend wichtige Rechtsgut hinweisen.

Die Hürden „konkrete Gefahr“, „überragend wichtige Rechtsgüter“, „im Einzelfall“ und „bestimmte Personen“ klingen hoch. Aber dann steht dort eben auch was von „hinreichender Wahrscheinlichkeit“ und „näherer Zukunft“.

Eine wolkig formulierte „allgemeine Terrorgefahr“ dürfte erstmal nicht ausreichen, um heimlich Rechner zu durchforsten. Andererseits wurden Terrordrohungen schon öfter als ziemlich konkret dargestellt – und hinterher war gar nix. Da Terrorwarnungen aus dem Geheimdienstumfeld kommen, wird schwer zu prüfen sein, wie konkret die Gefahr denn nun ist bzw. war.

Ich bin allgemein skeptisch, wie sich das Gesetz in der Praxis bewährt. Das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung beispielsweise ist zwar auch ziemlich toll, wird aber nicht nur durch staatliche Datensammelei (Vorratsdatenspeicherung, biometrische Daten, automatische Autokennzeichenerkennung etc. pp.), sondern auch durch eigenes Verhalten faktisch immer mehr zurückgedrängt und es fällt schwer, noch Herr über die eigenen Daten zu sein.

Nun muss man sich angucken, was aus dem Urteil gemacht wird, wie das neue BKA-Gesetz, dass auch einen Passus über Onlinedurchsuchung enthalten wird, aussehen wird.

Eine Linkliste mit Reaktionen auf das Urteil  findet man bei netzpolitik.org.

Waterboarding und der Euphemismus von der Verhörmethode

Warum wird im Zusammenhang von Waterboarding immer wieder von einer „umstrittenen Verhörmethode“ gesprochen. Was soll der Euphemismus? Warum spricht man es nicht einfach aus: Waterboarding ist Folter.

Auch wenn diejenigen, die es tun, taten und zuließen – die US-Regierung und ihre Geheimdienste – offiziell nicht von Folter sprechen möchten. Wollen wir warten, bis Waterboarding auch offiziell als Folter bezeichnet werden darf?

Warum sollte Waterboarding nicht Folter sein? Dem zu Folternde wird Wasser in den Hals oder auf ein über Mund und Nase gespanntes Tuch geschüttet. Der Gefolterte hat das Gefühl zu ertrinken, er glaubt zu ersticken, er hat Panik, Todesangst. Weil er festgebunden ist, kann er sich dem nicht entziehen.
Da braucht man nicht viel Fantasie, um sich die Panik eines Menschen in dieser Situation vorzustellen.

Waterboarding hat eine lange Geschichte als Foltermethode. Und Folter dient dem Verhör. Aber daraus abzuleiten, Waterboarding sei eine Verhörmethode, ist euphemistisch. Man würde auch eine Streckbank oder Daumenschrauben heute nicht als Verhörmethode bezeichnen, sondern als Folter. Man sollte allgemein Folter nicht als Verhörmethode verharmlosen.

Auch 2008 wird es keine Gen-Revolution in der Medizin geben

Wenn Journalisten was von Genen oder Genetik oder Molekularbiologie schreiben, sind Superlative meist nicht weit weg. Entweder kommt dann der blanke Horror auf uns zu oder die Lösung für nahezu alle unsere Probleme. Fast immer beruhen solche Artikel dann auf schlichter Unwissenheit.
So ließ Frank Schirrmacher im Jahre 2000 sechs Seiten des FAZ-Feuilletons völlig sinnbefreit mit wilden Kombinationen von A, T, C und G bedrucken : ATCG sind die Basen der DNA und das menschliche Genom stand kurz davor, durchsequenziert (fälschlich „entschlüsselt“ genannt) zu werden. Schirrmacher Begeisterung war so groß, dass er einen Teil der menschlichen Basensequenz auf totes Holz drucken ließ.

Auf der DLD-Konferenz 2008 (DLD = digital, life, design) in München vor ein paar Tagen ging es auch um die Firma 23andMe. Christian Stöcker von Spiegel Online war auch vor Ort und hat sich begeistern lassen. Stöcker, der sonst vor allem über IT-Themen schreibt, hat Psychologie studiert und dann in Kulturkritik oder sowas promoviert .

So als schreibt Stöcker einen ziemlich begeisterten Artikel über 23andMe. Erst am Ende wird ein Konkurrenzprodukt erwähnt und schließlich auch noch ein wenig Kritik nachgeschoben. Dass aber beim heutigen Stand der Wissenschaft eine Genanalyse mit vermeintlichen Risikofaktoren vor allem nutzlose, möglicherweise aber angstverursachende Informationen darstellen und dass das Angebot in erster Linie Geldschneiderei sein könnte, davon erfährt man nichts.

Das Angebot von 23andMe suggeriert, als gäbe es von bestimmten Krankheitsbildern einen ganz bestimmten genetischen Fingerabdruck, den man nur zu suchen brauchte. Dem ist aber nicht so. Unser heutiges Wissen über die molekularen und genetischen Ursachen von Krankheiten sind sehr begrenzt. Publizierte Risikofaktoren für bestimmte Krankheiten sind aus verschiedenen Gründen mit großer Vorsicht zu genießen:

  • Auch wenn in einer Studie ein Teil der Kranken einen bestimmten Gendefekt hat, ist der Umkehrschluss, dass das defekte Gen zu dieser Krankheit führt, nicht erlaubt. Dieses defekte Gen wird dann meist als Risikofaktor angesehen. Wie stark dieser Faktor ist, lässt sich schwer sagen.
  • Wechselwirkungen von mehreren Faktoren lassen sich bisher nicht vorhersagen. Ebensowenig der Einfluss von externen Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Stress etc.

Mit diesem Pool von unsicheren Daten möchte 23andMe arbeiten.

Guckt man sich die Webseite an, nimmt ein Teil einen großen Raum ein: Vererbungsanalyse. Wieviele Gene habe ich von meiner Mutter, welche von meinem Opa, wer sind meine früheren Vorfahren etc. Und eben auch die persönliche Risikoanalyse für bestimmte Krankheiten. Aufgrund der oben beschriebenen Probleme, läuft die Auswertung darauf hinaus, dass sie nutzlos sein wird, noch dazu für knappe 1000 US-Dollar.
Zu einem ganz ähnlichen Fazit kommen auch die Kollegen bei Plazeboalarm .

Nichtsdestotrotz hat sich aber Christian Stöcker zu einem weiteren Jubelartikel („Jetzt beginnt die Gen-Revolution“) inspirieren lassen. In diesem ruft er 2008 zu dem Jahr aus, „in dem vier Buchstaben [A, T, C und G – die Basen der DNA] endgültig die Herrschaft über die Medizin“ übernehmen. „Das Genomzeitalter hat begonnen.“ Ahja, gut zu wissen.

Das ist natürlich Quatsch. Das Genomzeitalter hat in der Forschung bereits vor einigen Jahren begonnen. In der praktischen Medizin allerdings – also in der Diagnostik und der Behandlung – spielt das Genom eine vernachlässigbare Rolle (bis auf die Diagnose von bestimmten Erbkrankheiten). Daran wird sich auch so bald nichts ändern. Bisher wurden noch keine DNA-Fingerabdrücke für Krankheiten gefunden, das wird sich so schnell nicht ändern, dafür ist das Wissen zu fragmentiert, zu lückenhaft. Die Gentherapie zur Behandlung von Krankheiten ist noch in einem frühen Experimentierstadium – wie schon seit Jahren.
Ob nun der Hausarzt oder der Arzt an der Uniklinik, beide werden sich auch in 2008 nur sehr wenig für das Genom eines Patienten interessieren.

Videoüberwachung ist eben keine Prävention

Eines zeigt der brutale Überfall auf einen Rentner in einem Münchner U-Bahnhof: Videoüberwachung bringt nichts. Es bringt nichts für die Prävention und es bringt nicht mal was für die Aufklärung. Dieser Punkt geht mir in der derzeitigen Diskussion unter.

Eine Überwachungskamera kommt nicht zu Hilfe (anders als der Streifenpolizist), hinter der Kamera sitzt oft nicht mal einer, der Hilfe rufen könnte – aus Kostengründen. Untersuchungen zeigen längst, dass die Präventivthese widerlegt ist, im Münchner U-Bahnhof konnte man es in aller brutaler Deutlichkeit nochmal sehen.

Die Täter selbst wurden nicht über die qualitativ eher schwachen Bilder gefasst. Sondern über ein kurz vorher geklautes Handy, mit dem sie telefonierten.

Viel wichtiger

Sollen Heizungsmonteure zu Hause bleiben, wenn der Boiler streikt, sollen die Dachdecker nach dem nächsten Sturm sagen, nein, ich komme lieber nicht, sollen die Kassiererinnen bei Aldi und die Kassierer in den Tankstellen das Tippen verweigern. Was da alles lahmgelegt werden kann! Und was wird dann passieren? Es wird sich herausstellen, dass viel mehr Leute viel wichtiger sind, als sie gedacht haben.

Jawollja. Schön, dass ich sowas zum Thema (Bahn-)Streik in einer Zeitung lesen kann. Und nicht immer nur: „Die sollen sich mal zurück nehmen.“ Sowas schreibt ja auch keiner, wenn es um Gewinnmaximierung geht. Oder hat schon mal einer in der Zeitung gelesen, dass eine Gewinnsteigerung in der Höhe der Inflationsrate doch eigentlich auch ausreichend wäre?!Oder anders ausgedrückt: „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“ Stand damals im Bundeslied des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863.

[via: Sven Scholz]

Markus Söder und der gute und der schlechte Angriffskrieg

„Es kann nicht sein, dass ein Land, das in die EU will, einen Angriffskrieg führt“

Sagt Markus Söder, ehemaliger Generalsekretär der CSU und jetzt Minister ohne Ministerium. Das ist eine lustige Sache, die er da sagt. Denn wie wir alle wissen, schließen sich EU-Mitgliedschaft und Beteiligung an einem Angriffskrieg offensichtlich nicht aus.

Der Irakkrieg 2003, ohne UN-Mandat angezettelt und nicht zum Zwecke der Selbstverteidigung geführt, war ein Angriffskrieg. In der Koalition der Willigen, die damals militärisch und politisch beteiligt waren, finden sich viele EU-Mitglieder.

Söder (und bei weitem nicht nur er!) verheddert sich in der unterschiedlichen Billigung bzw. Missbilligung von Kriegen. USA vs. Irak geht in Ordnung, Türkei vs. (Nord-)Irak soll nun nicht mehr ok sein. In sich schlüssig ist diese Argumentation nicht. Die Türkei beruft sich auf das Selbstverteidigungsrecht und auf den Kampf gegen Terrorismus. Genau wie die USA damals im Irak und Israel im Krieg gegen den Libanon.

Mit dieser Argumentation kann nun recht einfach ein Staat gegen einen anderen einen Staat anzetteln. Das Küchenkabinett sprach neulich mal von den Ambivalenzen im Krieg gegen den Terror. Genau das ist das Problem: die Grenzen zwischen richtig und falsch verschwimmen. Kriege lassen sich heute einfacher denn je begründen und rechtfertigen.

Exzellente Pläne II

Vor ziemlich genau einem Jahr wurden schon mal „Elite-Unis“ im Rahmen der Exzellenzinitiative ausgezeichnet. Jetzt steht das Ergebnis der zweiten Runde fest: RWTH Aachen, FU Berlin, Uni Konstanz, Uni Freiburg, Uni Göttingen und Uni Heidelberg. (Gesamtergebnis als PDF)

Schon damals aber war der Begriff Elite-Uni Blödsinn. Deutlich wird das, wenn man sich den offiziellen Begriff anguckt: „Zukunftskonzept zum Ausbau universitärer Spitzenforschung“. Elite-Uni ist natürlich griffiger, aber auch irreführend. Denn es ging, wie schon in der ersten Runde, um Konzepte für die Zukunft. Elite-Uni klingt nach Ist-Zustand, es geht aber um einen Soll-Zustand. Das wäre in etwa so, als würde man einem Wissenschaftler den Nobelpreis schon zu Beginn seiner Forschung verleihen, nur aufgrund von eingereichten Anträgen.

Denn es ging im ganzen Wettbewerb erstmal nur um Anträge. Das, was heute und vor einem Jahr ausgezeichnet wurde, ist erst im Entstehen: Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und eben die Zukunfts-Elite-Gesamtkonzepte.