Ein Blog nicht nur für die Finanzkrise

Heute mal eine Blogempfehlung: egghat’s Blog. Ich lese das Blog seit ein paar Monaten und fühle mich dadurch sehr gut über die Subprime-Banken-Finanzmarkt-whatever-Krise informiert. Meist kurz und knackig aber immer unterhaltsam geschrieben, ab und an auch längere Texte, häufig aktualisiert, mit vielen Links zum Weiterlesen. Super. Oft hab ich Dinge bei egghat gelesen, bevor es in deutschen Mainstreammedien steht. (Die sind dafür ausführlicher, aber lesenswerte Artikel dort werden ja verlinkt.)

Sarah Palin – McCains Gotteskriegerin

Fast schon dachte ich mit McCain könnte, sollten die Republikaner die Präsidentschaftswahl in diesem Jahr gewinnen, wenigstens ein Gemäßigter ins Weiße Haus kommen. McCain mag ein Light-Version sein, der Rest, der in seinem Fahrwasser schippert, wird nicht anders sein, als die Spinner der letzten 8 Jahre. Aktuellster und stärkster Beleg für meine Vermutung: McCains running mate, die Vizepräsidentschaftskandidation Sarah Palin. Bei ihr wird mir schnell klar: das ist das gleiche Kaliber, die gleiche Denke wie George W. Bush.

Den Irakkrieg bezeichnete sie vor einigen Monaten als „Gottes Auftrag“:

Pray for our military men and women who are striving to do what is right also for this country, that our leaders, our national leaders, are sending them out on a task that is from God. That’s what we have to make sure that we are praying for, that there is a plan and that that plan is God’s plan.

Betet für unsere Soldaten und Soldatinnen, die bestrebt sind, alles zu tun, was richtig ist auch für dieses Land, dass unsere Führer, unsere nationalen Führer, sie sie in einen von Gott gewollten Auftrag schickten. Wir müssen uns vergewissern, dass wir dafür beten, dass es einen Plan gibt und dass es Gottes Plan ist.
(Übersetzung von mir)

Ich mag auch den Kommentar dazu:

What exactly is the difference between a Christian who thinks God tells them to go to war against Iraq and, say, Osama Bin Laden, who believes that God tells him to go to war against America? People who think God tells them to kill people are insane; they certainly shouldn’t be electable.

Worin genau besteht der Unterschied zwischen einem Christen, der denkt, Gott sagt ihm, Krieg gegen den Irak zu führen und, sagen wir mal, Osama Bin Laden, der glaubt, Gott sagt ihm, Krieg gegen Amerika zu führen? Menschen, die glauben, Gott sage ihnen, sie sollen Menschen töten, sind verrückt; auf keinen Fall sollten sie wählbar sein.

Dem Kommentar kann ich mich anschließen. Einen ähnlichen Vergleich zwischen zwischen Bush und Bin Laden hatte 2001 auch mal Ulrich Wickert gebracht – und dafür böse auf die Mütze bekommen. Ich fand den Vergleich damals angebracht und sachlich richtig. Im Oktober 2001, kurz nach den Anschlägen vom 11. September, war das aber nicht politisch korrekt.

Palin ist obendrein Kreationistin, glaubt also nicht an die Evolution, sondern daran, dass Gott das Universum, die Erde und den Menschen geschaffen hat.
Unter ihren Positionen findet sich noch allerlei Gruseliges mehr.

Dass Palin obendrein eine strenge Sexualmoral hat und Sexualkundeunterricht in der Schule ablehnt, ist da schon weniger wichtig. Zumal ihre Ansicht von der Enthaltsamkeit von Minderjährigen von der eigenen Tochter ad absurdum geführt wird: die 17-Jährige ist nämlich schwanger. Dogmatismus trifft Realität, wunderbar.

Kurztest Google Chrome: vermisste Firefox-Erweiterungen und Datenschutzbedenken

Auch wenn Beiträge wie diese heute und den nächsten zu Tausenden zu lesen sein werden – hier mein erster Eindruck von Googles Browserneuvorstellung „Chrome“.

Gerade eben, um 21 Uhr deutscher Zeit, konnte man ihn herunterladen. Die Setup-Datei ist nur knapp 800 kB groß, der Rest wird während der Installation nachgeladen. Erster Minuspunkt: Der Installer fragt mich nicht, wo er Chrome hininstallieren soll. Sowas kann ich gar nicht leiden.
Danach bietet Chrome an, Einstellungen, Passwörter und Bookmarks vom Firefox (wahlweise auch anderer Browser) zu übernehmen. Klappt gut.

Chrome im Einsatz: Ich vermisse meine Firefox-Erweiterungen. Besonders Adblock Plus und meinen Feedreader Newsfox. Tab Mix Plus würde ich wohl, neben anderen liebgewonnenen Extensions, bald auch vermissen.
Die Geschwindigkeit ist gut, besser als beim Firefox. Liegt aber sicher auch zum Teil am Adblock, das jede Webseite ja durchgeht, mit Filtern abgleicht, um Werbung rauszuschmeißen. Aber ohne Adblock surfen – nein, das geht gar nicht (SpOn ohne Werbefilter ist ja furchtbar). Klares KO-Kriterium gegen Chrome.
Deutlich schneller ist Chrome allerdings auf der Schreiben-Seite von WordPress. Die ist ja vollgestopft mit Ajax-Gedöns. Das kann Chrome offenbar wirklich gut.

Speicherbedarf, oft bemängelt am Firefox, ist bei Chrome nicht berauschend. Jeder Tab läuft als eigener Prozess, anzutreffen auch im Taskmanager. Pro Tab werden im Schnitt 20 MB fällig, das summiert sich dann. Das Thema Speicher sehe ich allerdings als unproblematisch, meist hat man davon ja mehr als genug. Dass jeder Tab eigenständig läuft ist allerdings eine gute Sache, so kann eine fehlerhafte Seite in einem Tab nicht gleich den ganzen Browser in den Abgrund reißen.

Bauchschmerzen bereitet mir die Datensammelei von Google. Die ist auch der Grund, warum ich kein Google-Mail, keine Desktopsuche oder den Feedreader nicht nutzen mag. Aus der Datenschutzerklärung von Chrome:

In die Adressleiste eingegebene URLs oder Suchanfragen werden an Google gesendet, damit von der Vorschlagsfunktion automatisch gesuchte Begriffe oder URLs empfohlen werden können. Falls Sie Nutzerstatistiken an Google senden möchten und Sie eine vorgeschlagene Suchanfrage oder URL akzeptieren, sendet Google Chrome diese Information ebenfalls an Google. Sie können diese Funktion wie hier erläutert deaktivieren.

Welche URLs ich eingebe, behalte ich dann doch lieber für mich, geht keinen was an. Ob man unter der verlinkten Einstellmöglichkeit wirklich das Senden der URL an Google verhindert oder nur die Vorschläge abstellt, wird mir nicht klar. (Nachtrag: Ja, damit schaltet man das Senden der URLs ab.)

Weiter:

Ihre Kopie von Google Chrome enthält mindestens eine eindeutige Anwendungsnummer. Diese Nummern und Informationen zur Installation des Browsers (z. B. Versionsnummer, Sprache) werden bei der erstmaligen Installation und Verwendung der Anwendung und bei der automatischen Update-Prüfung von Google Chrome an Google gesendet. […]

Mir ist klar, dass Google meine Suchanfragen und die dazugehörige IP speichert. Meine IP wechselt aber ständig, somit sind die Informationen aus Sicht eine Profilings eher wertlos. Wenn aber über Chrome mein Computer und somit ich eindeutig identifizierbar werde, dann ist ein Profiling möglich. Mit den übermittelten URLs werfe ich Google meine gesamte Browsinghistorie in den Rachen. Danke, nein.
(Nachtrag: Die ID wird nur beim Update übertragen, nicht ständig. Die Browsinghistorie erhält Google also nicht zusammen mit der ID.)

Nachtrag: Zusammen mit Chrome wird auch das Programm googleupdater.exe mit installiert. Ungefragt und ohne Hinweis. Trägt sich in den Autostart ein, sucht nach Updates und bleibt auch nach dem Beenden von Chrome aktiv. Sendet möglicherweise im Hintergrund alle möglichen Daten an Google.

Fazit: Wegen Datenschutzbedenken und must-have-Erweiterungen bleibe ich beim Firefox.

P.S.: Trotzdem finde ich es gut, dass es mit Google Chrome einen weiteren Mitspieler im Browsergeschäft gibt. Firefox hat da viel in Bewegung gesetzt, ein weiterer großer Mitspieler kann nicht schaden, Browser besser zu machen. Chrome ist Open Source (Nachtrag: teilweise zumindest, Nachtrag 2: bitte Updates des verlinktes Beitrags auch lesen, Chrome ist ziemlich sicher Open Source),  warum soll es nicht auch bald einen auf Chrome basierenden Browser mit weniger Datenhunger geben. Und mit den nötigen Erweiterungen.