ai: Gezielte Zerstörung ziviler Einrichtungen im Libanonkrieg durch israelische Armee

amnesty international (ai) betreibt eine erste Kriegsnachlese. Ihr Fazit: Israel hat im Libanon-Krieg gezielt und vorsätzlich zivile Ziele angegriffen. Die Zielgenauigkeit der Waffen einerseits und die Häufigkeit der Einschläge in zivile Gebäude andererseits sprechen dafür, dass es Teil der israelischen Kriegsstrategie war:

The evidence strongly suggests that the extensive destruction of public works, power systems, civilian homes and industry was deliberate and an integral part of the military strategy, rather than „collateral damage“ – incidental damage to civilians or civilian property resulting from targeting military objectives.

Bei der großen Anzahl der Treffer in zivile Einrichtungen könne man nicht mehr von Kollateralschäden sprechen:

Bei mehr als 7000 Luftangriffen und 2500 Angriffen von See kamen etwa 1200 Menschen ums Leben, ein Drittel davon Kinder, eine Million Menschen wurden zu Flüchtlingen gemacht. Zerstört wurden etwa 15.000 Häuser und Wohnungen, mindestens 25 Tankstellen, zwei Krankenhäuser, 900 Geschäfte oder Produktionsstätten, 80 Brücken und 90 Straßen, außerdem Brunnen, Wasserleitungen und -pumpen, Kläranlagen, Kraftwerke und Umspannstationen, ein Leuchtturm sowie die größte Meierei des Landes.
(tagesschau.de, 23.08.06)

Die gern gehörte Erklärung, die Hibollah missbrauche zivile Einrichtungen für ihre Angriffe, lässt ai nicht gelten:

Wegen des Musters und des Umfangs der Angriffe, der Zahl der Zivil-Opfer und des Ausmaßes der Zerstörung sei diese Behauptung unglaubwürdig.
(tagesschau.de)

Sollte der Vorwurf von ai zutreffen, wären das Kriegsverbrechen seitens der israelischen Armee. ai hat die UNO gebeten, ihre Nachforschungen durch eine Untersuchungskommission zu untermauern. Ich bin mal gespannt, ob in dieser Richtung was passiert. Wahrscheinlich wird man es mit einem schulterzuckenden „Es war halt Krieg“ bewenden lassen.

Die Reaktion Israels fiel so aus, wie ich es erwartet hatte:

Israel hat die Vorwürfe der Menschenrechtsorganisation gestern zurückgewiesen. Das israelische Militär sei „so chirurgisch wie nur möglich“ vorgegangen, um die „Militärmaschinerie der Hisbollah“ zu treffen, erklärte Außenamtssprecher Mark Regev.
(taz, 24.08.06)

Die Chirurgie der Angriffe hat auch keiner in Zweifel gezogen. Nur die Ziele der fliegenden Skalpelle galten offenbar nicht nur krankem Gewebe.

ai hat auch die andere Seite untersucht:

Zeitgleich hat eine ai-Delegation in Israel Menschenrechtsverletzungen durch die libanesische Hisbollah-Miliz untersucht.

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