Bloggen: Es geht ums Schreiben

Ich bin überrascht. Positiv überrascht, um genau zu sein. Manche gaben das Bloggen mit einen lauten Knall auf und wüten dann ein bisschen rum.
Andere kommen angesichts des vermeintlichen Blogherbstes oder Blogblues auf ganz andere Gedanken und erinnern an das Wesentliche beim Bloggen: das Schreiben, das Publizieren:

Aber Bloggen als Möglichkeit zu schreiben? Warum soll das vorbei sein? Seit wann ist schreiben vorbei? Ein Blog, WordPress, Antville, das ist nur ein Haufen Software auf einer Siliziumscheibe, entscheidend ist immer, was man damit macht, und historisch gesehen ist die Möglichkeit des Schreibens, wenn sie eröffnet wurde, immer genutzt worden.
(Don Alphonso, Blogbar, 18.10.07)

Genauso sieht’s doch aus. Und so ähnlich sieht’s auch René von Nerdcore. (Ich verstehe allerdings nicht, warum Don versucht, da einen Unterschied in der Richtung beider Gedanken zu kontruieren.)

Beim Bloggen geht’s in erster Linie ums Schreiben selbst. Wie viele das dann lesen, war mir damals, als ich angefangen habe, egal. Ich war gerade dabei, meine Diplomarbeit zusammenzuschreiben und suchte einen Ausgleich zum „schreiben müssen“. Blogs gelesen hatte ich damals schon mehr als dreiviertel Jahr, kommentierte hier und da, Domain mit Webspace lag auch noch ungenutzt rum und so dachte ich mir, ich könnte es ja mal mit einem eigenen Weblog probieren.
Ich hätte natürlich auch einfach so eine HTML-Seite basteln und damit was ins Internet schreiben können. Aber die Blogsoftware macht es soviel einfacher: ein paar Klicks und schon hat man eine Website. Die sieht selbst mit dem Standardlayout hundertmal besser aus, als ich es je layouten könnte und man kann mein Geschriebenes kommentieren und mittels RSS verfolgen und das alles ohne wirklich Ahnung von der technischen Seite zu haben.

Die Leserzahl spielte damals keine Rolle und sie spielt auch heute keine große Rolle. Ich freue mich, wenn jemand mein Geschriebenes liest. Aber letztlich ist das Blog hier sowas wie lautes Nachdenken für mich. Der Reiz des Neuen ist auch bei mir vorbei. Klar, bei mehr als 2 Jahren nach dem ersten Blogeintrag.

Wer das Bloggen nur angefangen hat, weil es gerade „in“ ist, wird es vermutlich bald wieder drangeben. Auch diejenigen, die sich Ruhm oder Geld oder sonstwas davon versprochen haben, werden sich enttäuscht zurückziehen. Alle anderen, die einfach Lust am Schreiben haben, werden es auch weiterhin tun. Ich kann an dieser Entwicklung nichts negatives erkennen.

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