Zum Scheitern verurteilt
“Wir müssen den Kampf gegen den Terrorismus weiter führen.” Wie ein Mantra wird dieser Satz so oder so ähnlich ständig wiederholt. Die Anschläge seit dem 11. September 2001 halten sich in Grenzen (2004 Madrid, 2005 London), nirgends wachen in Massen Schläfer auf. Stattdessen werden Bürger- und Freiheitsrechte beschnitten und immer mit der gleichen Begründung gerechtfertigt: Wir bekämpfen damit den internationalen Terrorismus.
Kann es sein, dass sich zunehmend grundsätzliche Kritik breit macht angesichts nicht zu erkennender Bedrohungslage? Kann es sein, dass sich sowas wie Kriegsmüdigkeit breit macht? Nicht nur in den Medien sondern auch in der Bevölkerung. Ewig kann man den Leuten keine Angst mit muslimischen Schläfern, die uns infiltriert haben sollen, machen. (Die Stimmung kann allerdings durch einen neuerlichen Anschlag schnell wieder kippen.) Am Anfang, also kurz nach 9/11 hatte man ja schnell den Vorwurf des Antiamerikanismus an der Backe, wenn man Fragen nach der Legitimität von Kriegen oder der Verhältnismäßigkeit bei der Wahl der Mittel stellte.
Außerdem werden die Menschen ja auch verarscht oder kommen sich bei anderen Gelegenheiten verarscht vor. Im Irak wurden nie Massenvernichtungswaffen gefunden und in den Gefängnissen von Guantanamo Bay und Abu Ghuraib (und möglicherweise Haditha) kämpfen wir – also “der Westen” – erfolgreich gegen unsere eigene Glaubwürdigkeit in Sachen Freiheit und Rechtsstaatlichkeit: Menschen werden rechtlos gemacht, eingesperrt, gefoltert und es zieht kaum messbare Konsequenzen nach sich.
Der Irak scheint auch drei Jahre nach Kriegsende immer noch chaotisch zu sein, Afghanistan scheint für uns wohl nur deshalb befriedet, weil sich kaum ein Journalist aus Kabul herauswagt.
Nun scheint es aber so, als würde man mehr und mehr begreifen, dass Terrorismus auf dem jetzt eingeschlagenen Weg nicht zu bekämpfen ist. Zum einen verlieren wir selbst dabei unsere Freiheit und Demokratie, zum anderen schürt das brutale Vorgehen Hass und Vorurteile auf “den Westen” und ist somit ein tolles Propagandamittel für Extremisten, die willige Attentäter rekrutieren. Kurz: Der “Krieg gegen den Terror” zum Scheitern verurteilt.
Innenpolitisch hat dieser Weg ebenso fatale Folgen. Der Fetisch “Krieg gegen den Terrorismus” ersetzt den alten Fetisch “Kampf gegen den Kommunismus”. Wir werden auf einen langen Krieg mit (rechtlichen, keinesfalls konsumtechnischen, der Dollar und der Euro müssen weiter rollen) Entbehrungen eingeschworen. Die Folgen sind aber die gleichen: Wirklich drängende Probleme werden übersehen, politische Systeme werden korumpiert, Regierungen werden zu Propagandaschleudern.
Am 13. Juni 2006 um 16:24 Uhr
[...] Nicht nur das Bundesgesundheitsministerium hat eine interessante Rechtsauffassung, die Kollegen vom Ministerium für Arbeit und Soziales ebenso. Da wundert einen dann gar nichts mehr. Eine Liste weiterer Einrichtungen mit Link Policy hat das ElbeLaw.de erstellt. Einen sehr guten Text zur Bereitschaft der Bevölkerung, Einschränkungen anzunehmen, wenn Terror auf den Plan steht, dass diese Bereitschaft immer mehr sinkt, habe ich durch Zufall bei Reflexionsschicht gefunden. Falk indes ist am Schrauben und hat ein neues Style installiert, nun fragt er, ob er Rücksicht nehmen soll auf den IE. Meine Antwort wäre Ja. [...]
Am 22. August 2006 um 01:55 Uhr
Rätsel der Sicherheitspolitik…
Oh Mann, nach jedem erfolgreichen oder vereitelten Terroranschlag das Gleiche: der Ruf nach mehr Überwachung, mehr Kompetenzen für Geheimdienste und Polizei. Daraus folgt dann vermeintliche Sicherheit. Ich kann es nicht mehr hören.
Dabei…
Am 2. November 2006 um 02:31 Uhr
Schädelfotos aus Afghanistan: Heimatfront und Wehrpflicht…
Schlägt jetzt, nach der übertriebenen Empörung und Überraschung über die Leichenfotos aus Afghanistan, das Pendel in die andere Richtung aus? Nämlich in die Richtung, dass alles nicht so schlimm ist, dass es halt Soldaten …
Am 18. Januar 2007 um 00:01 Uhr
Urheberrecht gleichrangig neben Terrorismus…
Es wird mal wieder was für die Prävention getan. Bald haben wir keine Kriminalität mehr in Deutschland. Spätestens dann, wenn jeder Bürger 24h Stunden überwacht wird.
Der Bundestag wird morgen verabschienden, was der Wirts…
Am 7. Februar 2007 um 18:03 Uhr
Onlinedurchsuchung: maximal invasiv…
Der Wunsch nach einer Onlinedurchsuchung* von unseren Antiterrorministern geht konsequent einen falsch eingeschlagenen Weg weiter: der Staat muss jederzeit überall hingucken können.
Egal ob Großer Lauschangriff**, Wunsch nach präven…
Am 9. März 2008 um 11:29 Uhr
Man könnte meinen Leute in Führungspositionen haben noch nie ein Geschichtsbuch aufgeschlagen.